Asustor AS6104T im Test: Fast perfektes Multimedia-NAS

Neuling ausprobiert

Asustor AS6104T_F

Austor wirft das AS6104T-4By-NAS auf einen reichlich unübersichtlichen Markt. Doch der 450-Euro-Server hinterlässt im Test einen bleibenden Eindruck. Mit Dual-Core-Celeron und 2 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher lässt sich einiges anfangen und ein riesiges Software-Angebot lädt ein, das auch auszutesten.

Inhaltsverzeichnis

  1. Verarbeitung und Hardware-Features
  2. Performance
  3. Einrichtung und Verwaltung
  4. Software-Ausstattung
  5. Multimedia-Fähigkeiten
  6. Fazit

Asustor ist ein relativ neuer Player auf dem Markt der Netzwerk-Speicher (NAS), aber Asus NAS-Abteilung wird zunehmend an den Marktanteilen von QNAP und Synology nagen. Denn wenn es um ausgewachsene NAS-Server für anspruchsvolle Heimnutzer, Multimedia-Einsatz oder als All-in-One-Büro-Lösung geht, wird mindestens einer der beiden Konkurrenten ziemlich eindeutig ausgestochen.

Über einen Mangel an Konnektivität kann man sich kaum beschweren.
Über einen Mangel an Konnektivität kann man sich kaum beschweren. (Quelle: Asustor)

Das Asustor AS6104T ist ein 4-Bay-NAS für rund 446 Euro, die baugleiche 2-Bay-Variante liegt bei circa 300 Euro und kostet somit genauso viel wie die getestete Konkurrenz. Für den Preis gibt es einen echten kompletten Rechner, der die Bezeichnung NAS eigentlich kaum noch verdient. Im Innern werkelt ein Intel-Celeron-Dual-Core-Prozessor mit 1,6 Gigahertz, gestützt von 2 Gigabyte Arbeitsspeicher (RAM). Dazu gesellen sich allerlei Schnittstellen: dreimal USB 3.0, zweimal USB 2.0, 2 mal eSATA, zweimal Gigabit Ethernet, HDMI, S/PDIF und ein Infrarot-Empfänger. Die Ausstattung darf also schon mal getrost als üppig bezeichnet werden.

Verarbeitung und Hardware-Features

Asustor setzt erfreulicherweise auf ein Metallgehäuse, wie es sich in dieser Klasse eigentlich gar nicht mehr findet; QNAP hat der 219+ noch ein Metallgehäuse spendiert, der Nachfolgger 251+ ist bereits nur noch ein Plastikbomber. Richtig gut sind aber vor allem die, natürlich Hotswap-fähigen, Einschübe. Die Metallschlitten werden sauber geführt, der Verschluss mach seinem Namen alle Ehre und ist dennoch leicht mit einer Hand zu bedienen - auch das ist in dieser Ausführung keine Selbstverständlichkeit.

Der frontale USB-Anschluss ist wie üblich für Sofort-Backups auf oder von angeschlossenen Datenträgern gedacht, was einwandfrei funktioniert. Interessant ist aber vor allem die Vielfalt an Anschlüssen, so dass sich das Gerät auch für größere Büroumgebungen eignet. Das gleiche gilt auch für das zweite Netzwerk-Interface, welches im privaten Bereich eher selten zum Einsatz kommen dürfte. Aber es ist schön, im Zweifelsfall beispielsweise ein separates Netzwerk für die Kinder oder den Zugriff von außen einrichten zu können. Spannend wird es im Wohnzimmer vor allem bei HDMI und S/PDIF, die später im Bereich Multimedia nochmal zur Sprache kommen.

Der Betrieb ist, zumindest im Neuzustand, nahezu geräuschlos - was natürlich nicht zwangsläufig für die von euch verbauten Festplatten gilt. Der Lüfter funktioniert automatisch, lässt sich aber auch manuell konfigurieren.

Performance

Dualcore-Prozessor und 2 Gigabyte RAM genügen - meistens. Das Betriebssystem ist fix, der Datendurchsatz entspricht dem, was ein Netzwerk erlaubt, alle Apps laufen flüssig, 1080p-Filme ebenso und auch wenn zwei drei normale Aufgaben parallel laufen, ist noch alles in Ordnung. Für den normalen Heimgebrauch gibt es absolut nichts zu beanstanden, hier gibt es genügend Reserven auch für Kinder Drei und Vier.

Das AS6104T kann über HDMI einen regulären Debian-Desktop ausgeben.
Das AS6104T kann über HDMI einen regulären Debian-Desktop ausgeben. (Quelle: Screenshot)

Allerdings gibt es durchaus Grenzen. Was den privaten Gebrauch angeht, hat sich im Test nur ein wirklicher Fauxpas eingeschlichen. Die Amazon-Prime-Video-App (mehr dazu später) war partout nicht dazu zu bewegen, HD-Inhalte flüssig wiederzugeben - die Gründe dürften jedoch eher softwareseitig zu finden sein, die Hardware ist mehr als ausreichend.

Wirklich eng wird es bei der Virtualisierung: Das NAS selbst ist ein Rechner, der ein (schlankes) Linux betreibt und braucht entsprechende Ressource. Und wenn nun eine Virtuelle Maschine (VM) läuft, sind es schon zwei Linux-Rechner - und da sind die 2 Gigabyte RAM schlicht zu wenig. Und auch mehr Kerne wären nett. Ist aber aus zweierlei Sicht gar kein Problem: Zum einen gibt es Modelle mit besserer Ausstattung und zum anderen lässt sich der Arbeitsspeicher problemlos mit einem zweiten Riegel erweitern - Pluspunkt bei den Hardware-Features!

Einrichtung und Verwaltung

So komplex das NAS auch sein mag, die Einrichtung ist kinderleicht. Der Assistent fragt lediglich nach einem Passwort und der gewünschten RAID-Konfiguration, nach fünf Minuten läuft das System. Die folgende Aktualisierung ist ebenso mit einem Klick und in wenigen Minuten erledigt.

Es folgt, was folgen muss: Die Oberfläche im Browser simuliert einen Desktop, arbeitet mit vertrauten Fenstern, bietet virtuelle Arbeitsflächen, ein Dashboard und eine Taskleiste - wer die Unterschiede zur QNAP-Oberfläche findet, möge sie bei der Information abgeben. Nein, ganz so ist es nicht, aber man wird das Gefühl nicht los, dass es lediglich unterschiedliche Themes sind. Generell ähneln sich die Modelle AS6104T und QNAP 251+ wie ein Ei dem anderen. Wichtiger: Die Oberfläche ist einfach gut. Sie ist übersichtlich, intuitiv zu nutzen und es gibt genügend Hilfestellungen direkt in den Fenstern. Und auch die Übersetzungsfehler halten sich in Grenzen.

Der Desktop fühlt sich sofort vertraut an und ist ordentlich strukturiert.
Der Desktop fühlt sich sofort vertraut an und ist ordentlich strukturiert. (Quelle: Screenshot)

Die Verwaltung ist so einfach, wie sie sein kann. Die Oberfläche unterstützt, aber es handelt sich eben um einen echten Rechner mit entsprechend vielen Optionen und Werkzeugen. Laien, die im Grunde einfach Daten speichern und Medien streamen wollen, sind mit "kleineren" Geräten besser bestellt - oder braucht ihr wirklich Virtualisierung per Docker & Co.? Dennoch macht Asustor auch hier alles richtig, wer sich mit Informationstechnik halbwegs auskennt, wird sich sofort zurecht finden. Übrigens: Der Fernzugriff über das Internet lässt sich natürlich direkt per Asustor-Service erledigen.

Software-Ausstattung

Die Standardausstattung ist - standard: Webserver, FTP, Datenbank, WebDAV, DLNA, Asustor-eigene Music-/Video-/Photo-Apps und so weiter sind alle mit an Board. Egal, ob QNAP, Synology oder Asustor, da änder sich generell nicht viel. Interessanter sind die verfügbaren Apps.

Über 200 Apps liegen im Store - mehr geht derzeit nicht.
Über 200 Apps liegen im Store - mehr geht derzeit nicht. (Quelle: Screenshot)

Und an dieser Stelle hat sich Asus definitiv eine Verbeugung verdient. Was Extra-Software angeht, liegt der Asustor-Store mit über 200 Apps einsam an der Spitze (es folgt QNAP mit rund 150). Darunter finden sich etliche Webanwendungen wie WordPress, Joomla, MediaWiki oder ownCloud, Shopsysteme, eLearning-Plattformen, Support-Lösungen und so weiter. Backup- und Synchronisierungslösungen gibt es sowieso reichlich; auch zum Integrieren externer Cloud-Speicherdienste.

Bei all der Lobhudelei gab es im Test aber zumindest ein kleines Ärgernis. Die Installation des Mediacenters Kodi zog sich etwas in die Länge. Es mussten diverse Abhängigkeiten und für diese teils weitere Abhängigkeiten manuell installiert werden. Eigentlich würde man erwarten, dass das auf Nachfrage automatisch passiert. Aber schon eine Verlinkung hätte geholfen! So darf man erstmal fünf Apps nacheinander suchen und installieren.

Multimedia-Fähigkeiten

Es gibt gleich drei Dinge, die Asustor hier besonders auszeichnen. In erster Linie ist das der HDMI-Anschluss, dank dem das NAS Medien direkt auf dem Fernseher wiedergeben kann. Noch etwas seltener zu finden ist der S/PDIF-Anschluss, der besonders für Hifi-Fans mit entsprechender Stereoanlage erfreuen wird. Und drittens stehen mit Plex und Kodi die beiden großen relevanten Mediacenter zur Verfügung. Hinzu kommen allerlei Asustor-eigene sowie Dritthersteller-Apps rund um das Thema.

Die HDMI-Ausgabe ist konzeptionell genauso gelöst wie bei QNAP: Ausgegeben wird eine Art Subsystem namens Portal, über das über eine TV-taugliche simple Oberfläche eigene Apps gestartet werden können; unter anderem Kodi, Netflix oder Webbrowser. Praktisch: Man kann eine Standard-App festlegen, so dass beispielsweise immer direkt mit Kodi im Vollbild gestartet wird. Alternativ wird, wieder bei beiden, ein ganz normales Linux, hier ein Debian 8 Desktop oder Server, via HDMI ausgegeben. Und damit ließe sich das NAS tatsächlich als normaler Desktop-Rechner nutzen. Und dank VirtualBox ließe sich das auch mit Windows umsetzen - aber da dürfte die Hardware dann doch ihre Grenzen überschreiten.

Über HDMI wird PORTAL ausgegeben, welches wiederum eine Standard-App startet kann, zum Beispiel Kodi.
Über HDMI wird PORTAL ausgegeben, welches wiederum eine Standard-App startet kann, zum Beispiel Kodi. (Quelle: Screenshot)

Es gibt letztlich etliche Möglichkeiten, Medien zu streamen oder direkt über HDMI oder S/PDIF auszugeben und freilich stehen auch die entsprechenden Gegenstücke für Android und iOS zur Verfügung. In der Praxis beschränkt sich die Frage meist auf "Plex oder Kodi?" und das AS6104T kann eben beides. Wer ein NAS als Medienzentrale sucht, ist mit dem Austor-NAS jedenfalls sehr gut bedient. Es ist maximal flexibel und zeigt sich im Test ohne größere Mängel.

Nicht so schön war nur die Erfahrung mit der Amazon-Prime-Video-App. Für Prime Music gibt es nämlich tatsächlich eine App, Prime Video startet lediglich einen Browser mit der Amazon-Website - und zumindest auf diese Weise ließ sich HD-Content nicht wirklich konsumieren. Und Spaß mahcht die Bedienung ohne Maus und Tastatur dann auch nicht. Apropos Amazon: Die Asustor-Fernbedienung müsste bei Bedarf für knapp 30 Euro nachgeordert werden.

Asustor AS6104T : Fazit

Leistungsfähiges Multimedia-NAS mit viel Software. 8.4/10

Das Asustor-NAS AS6104T kann alles, was man von einer zentralen Speicher- und Backup-Lösung verlangt, inklusive Fernzugriff und Cloud-Synchronisierung - über viele verschiedene Wege. Dank guter Hardware und Features wie Virtualisierung oder das zweite Netzwerk-Interface, macht es aber auch in kleineren Büros eine gute Figur. Gelungen ist zudem das Multimedia-Konzept.

Das hat uns gefallen

  • HDMI und S/PDIF
  • RAM aufrüstbar
  • Große Software-Auswahl
  • Solide Leistung

Das hat uns nicht gefallen

  • Keine Fernbedienung
  • RAM standardmäßig etwas klein
  • Installation von Abhänigkeiten
Testnote 8,4 von 10
Bewertet von Mirco Lang
8,0 / 10
Performance
7,0 / 10
Verarbeitung und Handhabung
9,0 / 10
Sicherheit und Datenschutz
10 / 10
Software & Extras
Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde netzwelt leihweise von Asus zur Verfügung gestellt.

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Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

10
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Bestenlisten

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