Hasselblad True Zoom im Test: Ein verrauschter Traum am Moto Z (Play)

Gadget vom Luxus-Hersteller ausprobiert

von Maurice Ballein
Hasselblad True Zoom 1

Hat die Kompaktkamera endgültig ausgedient? Mit dem True Zoom-Moto Mod für das Moto Z (Play) hat das Traditionsunternehmen Hasselblad für Aufsehen gesorgt. Der Hersteller produziert in der Regel exklusive Kameras im Wert von gut ausgestatteten Kleinwagen. Auch die technischen Daten klingen verheißungsvoll. Geht ein Traum für Smartphone-Fotografen in Erfüllung? Wir haben den Test gemacht.

Inhaltsverzeichnis

  1. Design, Verarbeitung und Handling
  2. Technische Daten
  3. Geschwindigkeit
  4. Das kann die Kamera-App
  5. Bildqualität
  6. Fazit

Für Aufsehen sorgte Motorola auf der IFA 2016 mit der Präsentation des Moto Z (Play). Die neue Gerätegeneration unterstützt das Wechseln verschiedenster Module auf der Rückseite des Geräts. Neben einem Beamer, Lautsprecher und Power-Pack zählt das Hasselbald True Zoom-Mod sicher zu den Highlights des modularen Systems. Was die Kamera zu bieten hat, wo die Stärken und Schwächen liegen, klären wir in den folgenden Zeilen.

Design, Verarbeitung und Handling

Über die Designfragen lässt sich bekanntlich nicht streiten. Uns gefällt der Hasselblad True Zoom optisch zwar ganz gut - ein echter Hingucker ist er unser Meinung nach allerdings nicht. Viel wichtiger sind natürlich die Verarbeitungsqualität sowie das Handling der Smartphone-Kamera. Das Modul selbst wirkt hochwertig verarbeitet, leider gilt das nicht für die verbauten Tasten. In Anbetracht des Preises von immerhin 300 Euro hätten wir uns hinsichtlich der Bedienelemente, bestehend aus Auslöser und Zoom-Hebel etwas mehr erwartet.

Hasselblad True Zoom im Unboxing

9 Bilder
Zur Galerie

Der Druckpunkt des Auslösers fällt zwar noch zufriedenstellend aus - dass auf dem Modul sitzende Element für die Justierung der Brennweite hat aber definitiv zu viel Spiel. Das vermittelt nicht gerade die Güte eines Herstellers für Luxuskameras. Das Handling wiederum überzeugt. Der seitliche herausstehende, geriffelte Griff bietet ausreichend Halt. Das Anbringen und Entfernen vom Smartphone ist aufgrund des magnetischen Kopllungsprinzips ein Kinderspiel. Am unteren Rand findet sich eine kleine Aussparung, die eine Entkoppelung des Moduls vom Smartphone erleichtert.

Technische Daten

  • Abmessungen: 152,3 x 72,9 x 9,0–15,1 Millimeter (Länge x Breite x Tiefe)
  • Gewicht: 145 Gramm
  • Sensor: 1/2,3-Zoll - 12 Megapixel
  • Blende: f3.5-6.5
  • Brennweite: 25 bis 250 mm (Kleinbildäquivalent)
  • Video: Full HD bei 30 Bildern pro Sekunde
  • Stabilisierung: Optisch (Fotos), Elektronisch (Videos)
  • Dateiformate: JPG, DNG-RAW (Fotos), MPEG4 (Videos)

Geschwindigkeit

Für Schnappschüsse taugt die Hasselblad maximal eingeschränkt. Das liegt unter anderem an der Einschaltzeit. Zwar könnt ihr das Modul mit nur einem Knopfdruck aktivieren - bis zur Einsatzbereitschaft vergehen allerdings etwa 2 Sekunden. Für gehobene Ansprüche ist das eine halbe Ewigkeit. Dem steht der Autofokus in nichts nach. Zwar arbeitet dieser recht zuverlässig - leider vergeht bis zum Scharfstellen ebenfalls zu viel Zeit. Bis zu einer Sekunde müsst ihr für das Fokussieren eures Motivs einkalkulieren.

Das kann die Kamera-App

Das Style-Sheet, wie Motorola die rückseitigen Abdeckungen des Moto Z (Play) nennt, entfernt und das Kameramodul am Smartphone platziert, kann es nach einem Druck auf die Power-Taste oder einem Tipp auf die Kamera-App losgehen. Wer sich innerhalb der vorinstallierten App auf ein Feuerwerk an Einstellungsmöglichkeiten gefreut hat, wird zumindest nicht begeistert sein. Der Tipp auf das Hasselblad-Logo ruft ein Menü auf, über das ihr lediglich eine Handvoll Motiv-Programme sowie das Dateiformat ändern könnt. Über ein etwas verstecktes Menü könnt ihr dann doch noch manuell in die Aufnahmegestaltung eingreifen.

Die Kamera-App der Moto Z (Play) bietet einen "Profi-Modus".
Die Kamera-App der Moto Z (Play) bietet einen "Profi-Modus". (Quelle: Motorola / Screenshot netzwelt)

Zur Auswahl stehen im sogenannten "Profi-Modus" Regler für den manuellen Fokus, den Weißabgleich, die Belichtungszeit, den ISO-Wert sowie eine Belichtungskorrektur. Für Nachtaufnahmen könnt ihr allerdings maximal vier Sekunden belichten. Beim Weißabgleich wählt ihr aus vier Presets oder nutzt den Auto-Modus. Beim ISO-Wert ist bei maximal 3.200 Schluss. Mit an Bord ist weiterhin ein Panorama-Modus, der eure Bewegungsrichtung automatisch erkennt.

Ein echter Vorzug ist natürlich auch die Möglichkeit, Aufnahmen über alle gängigen Kommunikationskanäle an Freunde oder Bekannte via Smartphone zu verschicken. Erfreulich: Der Hasselblad True Zoom verträgt sich auch mit anderen Kamera-Apps. Unter anderem auch Anwendungen für das Streamen von Videos - wie Facebook Live, YouTube oder Periscope.

Bildqualität

Die Güte des Bildmaterials könnte alle zuvor bemängelten Eigenschaften des True Zooms wett machen. Tut sie aber nicht. Das Modul stützt sich hinsichtlich der Verkaufsargumente voll und ganz auf die Vorzüge eines 10-fach-Zoom-Objektivs an einem Smartphone sowie die Möglichkeit RAW-Aufnahmen zu machen. Diese bieten einen deutlich größeren Spielraum, was eine Optimierung der Bilder im Bearbeitungsprozess betrifft. Leider zeichnet die Kamera im RAW-Modus schwarze Ränder in den Bildecken auf und das Bild weist unübersehbare Verzeichnungen auf.

Hasselblad True Zoom im Test

Die Qualität der Fotos ist alles in allem enttäuschend - vergleichbares Bildmaterial dürft ihr auch von handelsüblichen Kompaktkameras erwarten, die schon für deutlich weniger Geld zu haben sind. Der kleine Bildsensor sowie die Optik liefern bei Tageslicht maximal grundsolide Aufnahmen ab. Die physikalischen Voraussetzungen limitieren den kreativen Spielraum stark. Zwar habt ihr einen optischen Bildstabilisator für Fotoaufnahmen an Bord, aber auch dieser kann verrauschte Aufnahmen bei wenig Licht nur bedingt verhindern. Rauschen ist allerdings auch schon bei Tageslicht zu erkennen. Auch das niedrige Niveau der Bildschärfe lässt sich nicht wegdiskutieren.

Hasselblad True Zoom - Beispielaufnahmen

9 Bilder
Zur Galerie

Auch hinsichtlich dem Freistellen von Objekten bewegt ihr euch aufgrund des kleinen Sensors sowie der Blende in einer engen Komfortzone. Hier bietet sich natürlich der Telebereich des Objektivs an. Leider fällt immer weniger Licht auf den Bildsensor, je weiter ihr an das Motiv heranzoomt, da sich die Blende nach und nach von f/3.5 auf einen Wert von f/6.5 schließt. Auch das wirkt sich trotz gutem Bildstabilisator nicht positiv auf die Bildqualität aus. Im Telebereich mehrere Meter von Motiv entfernen, um es noch scharfstellen zu können. Was uns wiederum sehr gut gefallen hat, ist die Naheinstellgrenze im Weitwinkel. Hier könnt ihr bis zu fünf Zentimeter an das Motiv heranrücken, ohne den Fokus zu verlieren.

Einen Vorteil gegenüber der Moto Z (Play)-Kamera bietet der eingebaute Xenon-Blitz. Dieser liefert eine deutlich höhere Ausleuchtung. Während eines Videodrehs seid ihr leider auf eine elektronische Bildstabilisierung angewiesen. Zudem müsst ihr hinsichtlich der Auflösung mit Full HD statt 4K zufrieden geben, die die festverbaute Moto Z (Play)-Kamera bietet. Überdies ist der Zoom für Videoaufnahmen unbrauchbar. Zum einen Fährt dieser, wie auch im Foto-Modus, viel zu schnell in die maximale Stufe und zum anderen sind die Motorengeräusche auf den Videos zu hören. Die Bildqualität der Videos holt die Kastanien nicht aus dem Feuer. Sie bewegt sich ebenfalls auf eher mäßigem Niveau und rechtfertigt den Anschaffungspreis unserer Meinung nach mitnichten.

Hasselblad True Zoom: Fazit

Teures Gadget mit 10-fach-Zoom für enttäuschendes Bildmaterial 4.8/10

Das True Zoom-Modul aus dem klangvollem Haus Hasselblad weckt hohe Erwartungen, die es kaum zu erfüllen weiß. Zwar ist es ein nennenswerter Vorzug, das Smartphone im Handumdrehen in eine Digitalkamera mit 10-fach-Zoom und Social Media-Anbindung aufzurüsten - ob sich für euch der Umstieg von einer herkömmlichen Kompaktkamera lohnt, ist fraglich. Der Preis fällt hinsichtlich der gebotenen Bildqualität kostspielig aus. Kompakte Kameras mit vergleichbarer Leistung gibt es schon für weitaus weniger Geld.

Das hat uns gefallen

  • 10-fach-Zoom für das Smartphone
  • RAW-Aufnahmen
  • Optischer Bildstabilisator

Das hat uns nicht gefallen

  • Teuer
  • Bildqualität
  • Geschwindigkeit
Testnote 4,8 von 10
Maurice Ballein
Bewertet von Maurice Ballein
5,0 / 10
Display/Sucher
3,0 / 10
Foto
6,0 / 10
Handhabung
4,0 / 10
Bildqualität
4,0 / 10
Video
Informationen zum Leihgerät

Der Hersteller stellte der netzwelt ein kostenloses Testexemplar für den Zeitraum von zwei Wochen zur Verfügung.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

6
Leserwertung

Hier könnt ihr das Produkt Hasselblad True Zoom selbst bewerten.

Die Leserwertung beträgt 6 von 10 möglichen Punkten bei 39 abgegebenen Stimmen.
Vielen Dank für deine Bewertung!

Das könnte dich auch interessieren

Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Foto, Internet, Testbericht, Digitalkamera, Motorola, Smartphone, Hersteller-Verzeichnis, Motorola Moto Z und Hasselblad True Zoom.

zur
Startseite

zur
Startseite