Apple HomePod im Test: Der Smart Speaker vom fernen Siri-Stern

Toller Klang, doch andere Lautsprecher sind smarter

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von Michael Knott
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Apples HomePod klingt außerirdisch, doch Siri holt uns im Test schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Liefert Apple mit dem HomePod endlich den Smart Speaker, welcher der Welt noch fehlte? Der eigenwillige 360-Grad-Lautsprecher klingt in Vergleich zu manch einem Konkurrenten wie von einem anderem Stern. Doch leider versteht Siri unsere irdischen Anfragen oft noch nicht. Über die Vor- und Nachteile und unsere Erfahrungen mit dem HomePod klären wir euch im Test auf.

Inhaltsverzeichnis

  1. Design und Verarbeitung
  2. "Hey Siri" durch Wände hindurch
  3. Daher die lange Entwicklungszeit: 200 Patente im HomePod
  4. Hörtest: Das neue Maß der Dinge?
  5. "Hey Siri - mach doch mal lauter"
  6. Siri auf dem HomePod
  7. HomePod, HomeKit und Sicherheit
  8. Das ist uns sonst noch aufgefallen
  9. Fazit & Alternativen

Das ist er also nun. Nach den Smart Speakern von Google, Amazon, JBL, Sonos, Ultimate Ears, Sony und Sonos, aber noch vor dem Bixby-Speaker von Samsung, gibt es den Apple HomePod endlich auch in Deutschland zu kaufen. Er kostet 350 Euro. Apple ist also gewohnt spät und gewohnt hochpreisig unterwegs. Beides sieht man dem Testgerät an.

Design und Verarbeitung

Über das Aussehen, das ein wenig an Mister Zylinder (gemeint ist der Mac Pro. Anmerk. des Lektors) erinnert, lässt sich streiten. Der kreative Design-Spielraum mag bei der Gestaltung eines Kompaktlautsprechers auch begrenzt sein. Apple gibt dem in zwei Farben erhältlichen HomePod eine textile Oberfläche und ein interessantes, wenngleich auch diffus wirkendes Display auf der Oberseite mit, um sich von den Alternativen optisch abzuheben.

Was wirklich überrascht und die Neugierde auf den ersten Hörtest steigert, ist das Gewicht. Unser Testgerät bringt stramme 2,5 Kilogramm auf die Waage. Das klingt nach wenig, doch ist der HomePod auch nicht sehr groß. Ein an ihn gelehntes iPhone 6S Plus überragt es nicht ganz. Sehr gelungen finden wir die textile Oberfläche. Genauso wie die ungeschützten Treiber eines klassischen HiFi-Lautsprechers lädt sie dazu ein, sie einzudrücken. Doch während dies bei Lautsprechermembranen ein teures Nachspiel hat, zeigt sich die Oberfläche des HomePod davon vollkommen unbeeindruckt.

Das Display auf der Oberseite zeigt entweder Steuerelemente oder die wabernde Siri-Grafik, aber nie den Titel oder den Interpreten.
Das Display auf der Oberseite zeigt entweder Steuerelemente oder die wabernde Siri-Grafik, aber nie den Titel oder den Interpreten. (Quelle: netzwelt)

Schade, dass man den Stoff nicht wechseln und beispielsweise gegen einen anderen tauschen kann, womit wir zum ersten, Apple-typischen Kritikpunkt kommen. Nichts, aber auch gar nichts am HomePod lässt sich öffnen. Der Apple-Lautsprecher ist wie aus einem Guss geformt. Selbst das Stromkabel verschwindet nahtlos im Inneren. Entgegen erster Befürchtungen lässt es sich zwar vom Gehäuse entfernen, wenn ihr nur fest genug daran zieht. Dennoch: Die Spezialisten von iFixit attestieren dem HomePod eine sehr schlechte Reparierbarkeit, vergeben gerade einmal einen von zehn möglichen Punkten.

Im Werkszustand ist der Apple HomePod tadellos verarbeitet und selbst nach einem längeren Testeinsatz in der Küche, wo häufiger mit Mehl hantiert wurde, als eigentlich geplant, zeigt er sich von seiner praktischen Seite: Schmutz wie Staub oder eben Mehl lässt sich schnell entfernen. Das Display auf der Oberseite sammelt aber wie fast jede andere Anzeige Fingerabdrücke.

"Hey Siri" durch Wände hindurch

Der HomePod besteht aus insgesamt acht Lautsprechern - sieben Hochtönern und einem Subwoofer. Nicht einen davon könnt ihr von Außen sehen. Jeder einzelne Treiber verfügt über einen eigenen Verstärker. Dabei geht Apple einen für den Lautsprecherbau ungewöhnlichen Weg und platziert den Subwoofer nicht etwa am Boden, sondern ganz oben im Gehäuse.

Apple HomePod (2018)

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Hinzu kommen insgesamt sieben Mikrofone. Sechs davon horchen in alle Richtungen nach dem Schlüsselwort "Hey Siri", welches man wie beim iPhone leider nicht individualisieren kann. Das siebte Mikro ist nicht für Siri sondern für die Klangoptimierung zuständig, zu dem auch der A8-Prozessor seinen Teil zu beiträgt.

Der HomePod versteht euch fast immer. Wir standen schon bei laut aufgedrehter Musik in einem Abstand von rund zehn Metern mit dem Rücken zum HomePod und murmelten "Hey Siri" vor uns hin. Mit Erfolg, Apples HomePod verstand uns. Selbst über Stockwerke hinweg konnten wir Siri herbeirufen, wenn wir die Stimme entsprechend anhoben.

Daher die lange Entwicklungszeit: 200 Patente im HomePod

Apples lange Entwicklungszeit hat sich nicht nur unserer Meinung nach ausgezahlt. Vor allem die überraschend gute Klangqualität des Apple-Lautsprechers findet rund um die Welt Anerkennung. Der iPhone-Erfinder trägt Musik in seiner DNA und stellt dies auch mit dem HomePod unter Beweis.

Nachdem der wirklich sehr schnelle Einrichtungsprozess (iPhone / iPad mit iOS 11.2.5 oder neuer in die Nähe bringen und Bildschirmanweisungen folgen, eine Sache von fünf Minuten) abgeschlossen ist, sind wir stundenlang abgemeldet. Wir erstellen mit zwei HomePods ein Stereo-Paar und hören wieder Musik, wie man Musik hören sollte. Wie macht Apple das? Wieso klingt der HomePod so viel besser, als etwa ein Amazon Echo oder selbst der Sonos One?

"Stell deinen HomePod irgendwo im Zimmer auf. Mit seiner Raum­erkennung analysiert er automatisch die Akustik, passt den Sound basierend auf seinem Standort an und trennt die Musik in direkten und Umgebungs­sound. Direkter Sound, einschließlich Gesang und Instrumente, wird in die Mitte des Raums gerichtet, während Umgebungs­sound über die linken und rechten Kanäle verteilt und von den Wänden reflektiert wird. So wird der gesamte Raum mit sattem und klar definiertem Klang gefüllt." (Beschreibung von Apple)

So oder so ähnlich versprechen das selbst die Hersteller von billigen Bluetooth-Lautsprechern. Der HomePod löst dieses Versprechen als einer der wenigen wirklich ein.

Hörtest: Das neue Maß der Dinge?

Panic! At The Disco - The Overpass. Eine für solch kleine Lautsprecher wie den HomePod schwierige Angelegenheit. Bläser, Trommelwirbel, Percussion, Samples - all das prasselt gleich zu Beginn auf die Treiber ein. Der HomePod gönnt sich keine Pause und schafft es, Leadsänger Brendon Urie in dem ganzen Effektgewitter nicht allein auf weiter Bühne stehen zu lassen. Dabei geht das Schlagzeug leider ein wenig unter und auch den Bass hätten wir uns durchschlagender gewünscht. Einen Equalizer hat man beim HomePod leider nicht schnell zur Hand.

Stichwort Bühne: Diese ist gefühlt tatsächlich ziemlich breit. Besonders gut lässt sich dies nachvollziehen, wenn ihr zwei HomePods zu einem Stereopaar zusammenschließt. Zwei mal 360-Grad-Sound bedeutet in diesem Falle zwar keinen "720-Grad-Sound", aber die Bühne wächst noch einmal deutlich. In Rock-Stücken wie Freedom at 21 von Jack White etwa splittet sich der Sound ab 1:20 Minute wunderbar auf: links Gitarre, rechts Gesang, zusammen zielgerichtet mitten ins HomePod-Eigner-Hirn. Stark. Denn auf den sonst für 360-Grad-Speaker typisch schwammigen, diffusen Klangteppich, der nur beim ersten mal Hören interessant klingt und schon beim zweiten Mal nervt, verzichten die Apple Speaker.

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Auch der Radiohead-Track Everything in its Right Place und Björks Stonemilker eignet sich gut, um zwei Stärken der gekoppelten HomePods zu demonstrieren. Zum einen den klasse umgesetzten Stereo-Effekt, zum anderen seine Dynamik. Björks Feenstimme flutet förmlich den ganzen Raum, ist mal hier mal dort, flacht ab, nur um an anderer Stelle vehement zurückzukommen. Davon wollen wir mehr, mehr, mehr und sagen laut ...

"Hey Siri - mach doch mal lauter"

Dieser Wunsch bleibt plötzlich unerhört. Nicht, weil Siri uns nicht verstanden hätte. Doch ihr sind im übertragenen Sinne die Hände gebunden. Es geht einfach nicht mehr lauter, das gekoppelte HomePod-Pärchen hat seine Leistungsgrenze erreicht. Unserer Meinung nach zu früh, doch Apple ist offenbar sehr bedacht darauf, dass der Smart Speaker nicht übersteuert.

"Ein Dilemma: Gerade weil der HomePod so ausgewogen klingt, gerade weil der HomePod so erwachsen, so groß klingt, setzt man bei ihm eine zu lange Messlatte an. Nämlich die für klassische HiFi-Boxen. Bis zu einem gewissen Grad hält der HomePod mit, doch dann geht ihm selbst als Stereo-Paar die Puste aus."

Der HomePod ist wie der freche Kleinwagen mit Elektroantrieb. An der Ampel zieht er aus dem Stand weg beeindruckend los und lässt manch einen Sportwagen hinter sich. Doch nach 200 Metern endet die Beschleunigungsorgie abrupt, um den Akku zu schonen.

Siri auf dem HomePod

Auch für uns sind Smart Speaker noch verhältnismäßig neu, daher füttern wir Alexa, Google und natürlich auch Siri teilweise noch mit "naiven" Fragen. Doch während wir bei Alexa und dem Google Assistant oft positiv mit einer brauchbaren Antwort überrascht werden, muss Siri viel häufiger passen. Anschlussfragen funktionieren überhaupt nicht und selbst das Stellen von zwei separaten Timern ist nicht möglich.

Welche Sprachbefehle Siri auf dem HomePod versteht, listet Apple an dieser Stelle auf. Die Liste an Unzulänglichkeiten von Siri in Verbindung mit dem HomePod ist jedoch mindestens genauso lang. Hier ein weiteres Beispiel: Ihr könnt in den Einstellungen optional "private Anfragen" zulassen. Dann könnt ihr zum Beispiel iMessage-Nachrichten verschicken, euch diese vorlesen lassen, Erinnerungen und Notizen erstellen oder Anrufe über den HomePod tätigen. Klingt super, hat aber einen Haken.

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Denn unverständlicherweise kann Siri auf dem HomePod keine Stimmen voneinander unterscheiden. Jeder, der zufällig in der Nähe ist, vom Briefträger über den Nachwuchs bis zum WG-Mitbewohner erhält somit Zugriff auf eure private Daten. Er muss nur höflich danach fragen. Das iPhone X hingegen erkennt unsere individuelle Stimme hingegen immer und verweigert Fremden den Zugriff. Private Anfragen mit dem HomePod sind also nur für Menschen interessant, die allein in einer Wohnung leben und niemals Besuch bekommen. Nun ja.

HomePod, HomeKit und Sicherheit

Was hingegen gut funktioniert, ist das Steuern von HomeKit-Komponenten. In der Wohnung des Autors gibt es ein paar davon, darunter etwa Philips Hue-Lampen. Hier ist es eine enorme Erleichterung beim Nachhausekommen nicht das Smartphone zücken zu müssen, um das Licht einzuschalten. Mit der für iOS 12 angekündigten Workflow-App und den Siri Shortcuts dürfte der Funktionsumfang deutlich zunehmen.

In der Home-App auf iPhone, iPod oder iPad könnt ihr etwa Gruppierungen von Lautsprechern aufheben oder die Zuordnung von Stereopaaren ändern. Zudem gibt es hier auch eine Schaltfläche über die ihr regeln könnt, ob "anstößige Inhalte" erlaubt werden oder nicht.

Zum Thema Sicherheit: Apple betont, dass die Erkennung des Schlüsselbefehls "Hey Siri" lokal auf dem HomePod stattfindet. Der HomePod stellt also keineswegs eine Standleitung zu Apple her und hört immer mit. Erst wenn die Schlüsselphrase gefallen und erkannt worden ist, wird die Anfrage verschlüsselt und mit einer anonymisierten Siri-ID an die Apple-Server übertragen. Wie Apple mit euren privaten Daten anschließend umgeht, könnt ihr an dieser Stelle erfahren.

Das ist uns sonst noch aufgefallen

  • Der HomePod ist stark an Apple Music gekoppelt. Ihr könnt ihn zwar über AirPlay 2 selbstverständlich auch mit Spotify-, Amazon- oder mit Musik eines anderes Streaminganbieters füttern. Und auch das Steuern per Sprachbefehl funktioniert dann noch. Doch immer, wenn wir uns ein Lied wünschen und den Befehl "Hey Siri, spiele etwas von Queen" sagen, und keinen Apple Music-Account eingerichtet haben, geht die Anfrage ins Leere.
  • Der HomePod lässt sich nicht als Bluetooth-Lautsprecher verwenden und bietet keinen Line-In-Eingang.

Apple HomePod: Fazit

Der dümmste Klassenbeste 8.3/10

Der HomePod könnte lauter sein, klingt aber für seine Größe und auch im Vergleich zur Konkurrenz grandios. Wer das "Smart" in Smart Speaker auf die Goldwaage legt und zuhause keine HomeKit-Landschaft pflegt, sollte derzeit noch die Finger vom HomePod lassen. Alexa- und Google-befeuerte Speaker sind cleverer. Wer in erster Linie einen guten Lautsprecher sucht, der mit Rundumklang und feiner Technik vorfährt, wird sich schnell in den kleinen Zylinder verlieben.

Das hat uns gefallen

  • Klang
  • kein Einmessen nötig
  • Einfaches Setup
  • AirPlay 2-fähig
  • Multiroom-fähig
  • sehr gute Mikrofone

Das hat uns nicht gefallen

  • kein Bluetooth
  • kein Line-In-Eingang
  • Apple Music-lastig
  • Limitierte Siri-Funktionalität
Testnote 8,3 von 10
Michael Knott Team-Bild
Bewertet von Michael Knott
9,0 / 10
Klang
10 / 10
Design und Verarbeitung
6,0 / 10
Ausstattung
Informationen zum Leihgerät

Der HomePod wurde uns von Apple leihweise zu Verfügung gestellt. Nach Testabschluss wird er zurück an den Hersteller geschickt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

8
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Bestenlisten

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Vergleich Smart Speaker: WLAN-Lautsprecher im Test
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