Insta360 Nano im Test: Ein Rundum-sorglos-Gadget für das iPhone

360-Grad-Kamera ausprobiert

von Maurice Ballein
Insta360 Nano

360-Grad-Kameras liegen im Trend. Apple ist auf diesen Zug allerdings noch nicht aufgesprungen. Dennoch gibt es mit der Insta360 Nano eine Kamera speziell für das iPhone, mit der ihr 360-Videos und -Fotos aufnehmen könnt. Doch kann das kleine Gadget im Test mit Konkurrenzprodukten von Ricoh (Theta S) oder Samsung (Gear 360) mithalten?

Inhaltsverzeichnis

  1. Design und Verarbeitung
  2. Die Insta360 Nano in der Praxis
  3. Social Media
  4. Technische Daten der Insta360 Nano
  5. Die Software für den PC
  6. Foto- und Videoqualität
  7. Akkulaufzeit
  8. Virtual Reality aus dem Karton
  9. Preis, Verfügbarkeit und Zubehör
  10. Fazit & Alternativen

Viele Hersteller haben die Faszination und das Potential von 360-Grad-Aufnahmen erkannt. So auch der chinesische Hersteller Arashi Vision, der neben der Insta360 Nano weitere Modelle im Angebot hat - unter anderem auch für Android-Smartphones. Die Insta360 Nano ist zwar in erster Line für den Einsatz am iPhone konzipiert, kann aber auch als eigenständige Kamera für Fotos und Videos im 360-Grad-Format genutzt werden. Ihr seid also nicht zwingend auf das Mitführen eures Apple-Smartphones angewiesen.

Design und Verarbeitung

Dass es sich bei der Insta360 Nano um ein speziell für das iPhone entwickeltes Gadget handelt, wird in mehrfacher Hinsicht deutlich. Beim Auspacken der 360-Grad-Kamera erinnert uns der Karton etwa eindringlich an den Moment, in dem wir unser iPhone aus seiner "Designed in California-Verpackung" befreit haben. Auch das Gadget selbst passt optisch perfekt zur Spacegrey-Rückseite des iPhone - im Test hatten wir übrigens vornehmlich das iPhone 6 Plus im Einsatz. Bauartbedingt ist die Insta360 Nano leider nicht mit den älteren iPhone 5-Modellen sowie dem iPhone SE kompatibel.

Die Insta360 Nano ist sauber verarbeitet und vermittelt hinsichtlich einer Praxistauglichkeit einen robusten Eindruck. Das Gehäuse besteht zu großen Teilen aus Aluminium. Die Innenseite ist aus Kunststoff gefertigt. Weitere nennenswerte Elemente der Insta360 Nano sind natürlich die beiden nach vorn und hinten gerichteten Objektive. Weiterhin finden wir eine Taste auf der Rückseite für das Ein- und Ausschalten des Geräts sowie das Auslösen der Kamera. Eine Status-LED an der Front informiert über den aktuellen Betriebszustand. An der Unterseite des Geräts finden sowohl eine microSD-Karte, als auch ein microUSB-Kabel für das Laden sowie Dateiübertragungen Platz. Überdies sind winzige Aussparungen für das Mikrofon sowie für den Reset-Knopf der Insta360 Nano auszumachen.

Der mitgelieferte und bereits erwähnte Karton fungiert nicht nur als Transport- oder Aufbewahrungseinheit, sondern auch als VR-Brille - dazu aber später noch mehr.

Die Insta360 Nano in Bildern

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Die Insta360 Nano in der Praxis

Wie eingangs erwähnt, zeichnet die Insta360 Nano Fotos und Videos auch ohne iPhone auf. Doch dieses drängt sich aufgrund eines fehlenden Displays nicht auf. Zudem habt ihr bei angeschlossenem Smartphone weitere Möglichkeiten zur Bildgestaltung. Vor Inbetriebnahme am iPhone, müsst ihr zunächst die entsprechende App aus dem App Store herunterladen und installieren. Anschließend wird das kleine Gadget via Lightning-Anschluss ans iPhone gesteckt. Das klappt reibungsfrei und vermittelt einen stabilen Eindruck. Die Kamera sitzt fest am iPhone und sollte sich anschließend vollautomatisch mit der App verbinden. Etwas gewöhnungsbedürftig ist das Handling, schließlich haltet ihr die Kamera nach oben und damit das iPhone verkehrt herum. Um die korrekte Ausrichtung der App müsst ihr euch aber dabei nicht kümmern - das erfolgt automatisiert.

Die Insta360 Nano-App für das iPhone gefiel uns auf Anhieb gut. Nach kurzer Eingewöhnung fanden wir uns gut zurecht - die Bedienung gelingt intuitiv. Unterschieden wird zwischen drei Hauptbereichen - den Einstellungen, dem Aufnahme-Modus sowie dem Album für gespeicherte Aufnahmen. Im Aufnahme-Bereich wechselt ihr schnell zwischen Foto- und Video-Modus hin und her. Hier stehen euch jeweils optionale Regler für eine Belichtungskorrektur, den Weißabgleich oder den HDR-Aufnahmemodus zur Auswahl. Aufgezeichnet wird mittels virtuellem Aufnahme-Button. Ohne Smartphone gelingt das über einen rückseitig verbauten Knopf am Gehäuse der Insta360 Nano - einmal Drücken für Fotos, zweimal für Videos. Für die Aufnahme eines Fotos nimmt sich die Kamera allerdings etwa zwei Sekunden Zeit - vermutlich hängt das mit dem vollautomatischen Zusammensetzen der beiden Weitwinkelaufnahmen direkt nach dem Aufnahmevorgang zusammen. Aufgezeichnet wird wahlweise auf einer microSD-Karte. Die Insta360 Nano schluckt Speichermedien mit einer Kapazität von bis zu 64 Gigabyte. Einen internen Speicher gibt es nicht. Wird die Kamera ohne microSD-Speicherkarte an das iPhone angeschlossen, wird auf den Speicher des Apple-Smartphones zurückgegriffen.

Die wichtigsten Oberflächen innerhalb der iOS-App für die Insta360 Nano.
Die wichtigsten Oberflächen innerhalb der iOS-App für die Insta360 Nano. (Quelle: Arashi Vision / Screenshot: netzwelt)

Selbstverständlich bringt die iOS-App alle Fertigkeiten zur direkten Betrachtung der 360-Grad-Aufnahmen mit. Während der Wiedergabe habt ihr die Möglichkeiten zwischen diversen Perspektiven zu wechseln. Zur Auswahl stehen unter anderem ein Fischaugen- und Little Planet-Effekt oder eine flache, sprich natürlichere Wiedergabe. Dabei entstehen mitunter surreale Perspektiven. Entweder wischt ihr euch zur gewünschten Position oder nutzt den Bewegungssensor des Smartphones, um euch innerhalb des Bildes oder Videos zu bewegen. Ihr könnt jederzeit Screenshots anfertigen oder die Aufnahmen nachträglich mit Kunstfiltern versehen. Via Firmware-Update, welches bequem via App heruntergeladen und direkt installiert werden kann, erreichte uns während des Tests die Option, Zeitraffer-Aufnahmen mit manuellen definierten Aufnahmeparametern anzufertigen. Diese werden durch dreimaliges Drücken der Power-Taste gestartet.

Die Insta360 Nano-App bietet diverse Wiedergabeperspektiven.
Die Insta360 Nano-App bietet diverse Wiedergabeperspektiven.

Social Media

Die einfachste Möglichkeit, Bilder und Videos, die ihr mit der Insta360 Nano aufgezeichnet habt, mit anderen zu teilen, ist die Insta360-Cloud. Das Bildmaterial könnt ihr auch ohne entsprechende Registrierung vom Smartphone auf die Server des Herstellers laden, anschließend einen Link generieren und dann über eure installierten Messenger oder via E-Mail versenden. Die Wiedergabe erfolgt dann allerdings über euren Webbrowser.

Wollt ihr Fotos oder Videos, die ihr ohne Registrierung hochgeladen habt, wieder aus der Cloud löschen, ist eine Registrierung via E-Mail und Seriennummer eurer Insta360 Nano unumgänglich. Für ein komfortables Verwalten eurer geteilten Aufnahmen bietet sich das Insta360-Cloud-Network an. Leider stand diese zum Testzeitpunkt nur in chinesischer Sprache zur Verfügung. Von einer Nutzung ist also derzeit abzuraten. Eine Übersetzung ins Englische und Deutsche soll laut Hersteller bis Ende März 2017 abgeschlossen sein.

Die Anbindung an YouTube lässt noch zu wünschen übrig. Das direkte Hochladen von 360-Grad-Videos aus der Insta360-App schlug fehl. Die Bewegtbilder werden seitens der App nicht mit den erforderlichen Metadaten ausgewiesen und dementsprechend nicht korrekt wiedergegeben. Hier sind weitere Maßnahmen zur Aufbereitung des Videomaterials vonnöten. Bei Facebook hatten wir da mehr Erfolg. Das soziale Netzwerk erkannte das gepostete Video als 360-Aufnahme und gab diese entsprechend wieder. Details zur Vorgehensweise des Uploads von 360-Grad-Aufnahmen bei verschiedenen sozialen Netzwerken haben wir euch im folgend verlinkten Ratgeber zusammengefasst.

Technische Daten der Insta360 Nano

  • Abmessungen: 110 x 33 x 21 Millimeter (Länge x Breite x Tiefe)
  • Gewicht: 70 Gramm
  • Objektive: Zwei 210-Grad-Fisheye-Linsen (F/2.0)
  • Auflösung: 3.040 x 1.520 Bildpunkte
  • Speicher: Intern + microSD-Karten mit bis zu 64 Gigabyte
  • Akku: 800 Milliamperestunden

Die Software für den PC

Der Hersteller stellt neben der iOS-App auch eine kostenlose Anwendung für das Bearbeiten und Betrachten eurer 360-Grad-Fotos und -Videos am Windows-PC oder Mac bereit. Diese gefielen uns im Test ebenfalls gut - auch wenn der Funktionsumfang recht bescheiden ausfällt. In erster Linie ist die Freeware auf das Betrachten eurer 360-Grad-Aufnahmen am großen Bildschirm ausgelegt. Zudem bietet die Freeware die Option, Clips zu kürzen, in MP4-Videos zu exportieren sowie Screenshots einzelner Sequenzen anzufertigen. Auch hier gelingt die Wiedergabe über die verschiedenen, bereits angesprochenen Perspektiven.

Foto- und Videoqualität

Der Flaschenhals bei 360-Grad-Kameras ist in erster Linie die Auflösung. Aufgrund der breiten Ausdehnung der Bilder im 360-Grad-Format reicht eine Full HD-Auflösung einfach nicht aus, um für einen nachhaltigen Wow-Effekt zu sorgen. Davon mussten wir uns beispielsweise bei der Theta S aus dem Hause Ricoh überzeugen. Bei der Insta360 Nano sieht das schon viel besser aus. Die 3.040 x 1.520 Pixel liefern ein deutlich schärferes Bild als das Konkurrenzprodukt. Aber auch von der Insta360 Nano solltet ihr keine Wunder erwarten. Für brillante Aufnahmen ist der Sensor des Gadgets schlicht und ergreifend zu klein. Das Niveau bewegt sich in etwa auf der ebenfalls von uns getesteten Samsung Gear 360.

Bei Tageslicht sehen die Videos und Fotos naturgemäß deutlich besser aus. Ausreichend Beleuchtung sorgt für ansehnliche Aufnahmen - vor allem wenn man die geringe Größe der Kamera in Betracht zieht. Unter Kunstlicht oder dämmrigen Lichtverhältnissen stößt der verbaute Sensor allerdings an seine Grenzen. Ihr solltet euch in jedem Fall auf Bildrauschen und starke Verzerrungen bei eingefangenen Lichtquellen einstellen. Hier kann der HDR-Modus innerhalb der App für etwas Abhilfe sorgen. Leider greift die Insta360 Nano offenbar nicht auf den im iPhone integrierten, digitalen Bildstabilisator zurück. Zeichnet ihr während des Radfahrens, Laufens oder auch Schlenderns auf, müsst ihr euch auf mehr Verwacklungen einstellen, als gewohnt.

Akkulaufzeit

Die Akkulaufzeit gibt der Hersteller mit etwa 70 Minuten konstanter Videoaufzeichnung an. Diesen Wert konnten wir unseren Eindrücken zufolge nicht ganz erreichen. Dennoch sollte der Akku euch zufriedenstellen. Ihr könnt die Insta360 Nano leider nicht mit dem iPhone aufladen - unterwegs haucht ihr der Kamera jedoch mit einer handelsüblichen Powerbank zügig neues Leben ein.

Virtual Reality aus dem Karton

Der bereits angesprochene Karton ist gleichzeitig auch eine VR-Brille - an der Unterseite finden sich entsprechende Brillengläser. Im aufklappbaren Deckel findet euer iPhone Platz. Nun muss lediglich die VR-Wiedergabe via App aktiviert werden und ihr könnt euch Fotos und Video in der virtuellen Realität ansehen. Die Umsetzung bewerten wir allerdings maximal als gern genommenes Gimmick. Die Qualität und Schärfe der Aufnahmen hinterlassen keinen bleibenden Eindruck. Für unterwegs aber eine allemal eine nette Spielerei. Das Ganze bewegt sich etwa auf dem Niveau, das ihr auch mit einer Google Cardboard erreicht.

Preis, Verfügbarkeit und Zubehör

Die Insta360 Nano könnt ihr zu Preisen ab etwa 240 Euro in verschiedenen Onlineshops sowie im Fachhandel in der Farbe Silber erwerben. Separat erhältlich ist zudem eine Halterung, über die ihr die Insta360 Nano aufstellen oder auf ein Stativ schrauben könnt. Diese schlägt in etwa mit 30 Euro zu Buche. Weitere Halterungen für den Fahrradlenker oder das Auto findet ihr auf der Webseite des Herstellers. Zudem plant der Hersteller die Veröffentlichung eines Unterwassergehäuses.

Insta360 Nano: Fazit

Rundum gelungene 360-Grad-Kamera für das iPhone. 8/10

Mit der Insta360 Nano könnt ihr im Handumdrehen Videos und Fotos im 360-Grad-Format anfertigen, mit und ohne iPhone. Das Gadget bietet eine saubere Verarbeitung und bei Tageslicht eine gute Bildqualität mit dazugehörigen Rundum-Wow-Effekt. Die Qualität bewegt sich auf dem Niveau der Samsung Gear 360, die allerdings eine Nutzung des passenden Smartphones voraussetzt und zudem teurer ist. Die mitgelieferte VR-Brille und der erweiterbare Speicher runden das Rundum-Sorglos-Paket ab.

Das hat uns gefallen

  • Gute Verarbeitung
  • Bildqualität bei Tageslicht
  • Speicher erweiterbar
  • Auch ohne iPhone nutzbar

Das hat uns nicht gefallen

  • Bildqualität bei Kunst- und Dämmerlicht
  • Nicht mit dem iPhone 5C und SE kompatibel
  • YouTube-Anbindung
Testnote 8,0 von 10
Maurice Ballein
Bewertet von Maurice Ballein
8,0 / 10
Handhabung
8,0 / 10
Foto
8,0 / 10
Video
8,0 / 10
Display/Sucher
7,0 / 10
Bildqualität
Informationen zum Leihgerät

Der Hersteller stellte der netzwelt ein Testexemplar kostenlos für den Zeitraum von drei Wochen zur Verfügung.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

8
Leserwertung

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Bestenlisten

Insta360 Nano wurde in folgende Digitalkamera-Bestenlisten einsortiert.

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