Revolution: Apple iPod Touch im Test

Der kleinere Bruder des iPhones

Apple legt die Messlatte hoch: Der iPod Touch ist der MP3-Player, an dem sich alle anderen mal wieder messen müssen. Denn genau so sollten Menüs gestrickt sein, so sollte ein Gehäuse aussehen und genau so stellen wir uns sinnvolle Zusatz-Funktionen für einen MP3-Player vor. Das Problem: Der iPod leidet unter dem großen Bruder iPhone und darf nur mit den bereits benutzten und abgetragenen Spielsachen spielen.

Überzeugend: Ein berührungsempfindliches, 3,5 Zoll großes Display mit einer Auflösung von 480 x 320 Bildpunkten, eingebautes WLAN, edles Finish. Wer diesen iPod in den Händen hält, wird ihn nur schweren Herzens wieder hergeben wollen. Auf den Boden der Tatsachen führt dann höchstens die unverbindliche Preisempfehlung zurück: Für die Version mit einem 16 Gigabyte großen Flashspeicher sind derzeit knapp 400 Euro fällig. Die Hälfte an Kapazität schlägt immer noch mit etwa 300 Euro zu Buche.

Tastenlose Designwüste

Als Gegenleistung bekommt man ein tadellos verarbeitetes Stück Technik. Abgerundete Kanten, wertige Materialien: Der iPod Touch blitzt und blinkt, ist aber auf der spiegelnden Rückseite extrem anfällig für Kratzer. Die Vorderseite überstand den Testzeitraum hingegen ohne hässliche Narben.

Maß der Dinge: Apples iPod Touch überzeugt beim bloßen Hinsehen.
Maß der Dinge: Apples iPod Touch überzeugt beim bloßen Hinsehen.

Genau wie beim iPhone ziert auch den iPod Touch nur eine sichtbare Taste. Erst bei einem genaueren Blick bemerkt man den oberen Drücker zum Ein- und Ausschalten des MP3-Players. Gleichzeitig dient er zum Abschalten des Bildschirmes im laufenden Betrieb. Der spezielle Anschluss für das mitgelieferte USB-Kabel findet sich ungeschützt auf der Unterseite.

Abmessungen von 62 x 110 x 8 Millimeter sind absolut hosentaschentauglich, wenngleich immer die Angst im Nacken sitzt, das gute Stück könnte in der Hosentasche Schaden nehmen. Wenn sich dort Schlüsselbund oder ähnlich spitze Gegenstände befinden, ist dies auch mit Sicherheit der Fall.

Auf Wiedersehen Clickwheel

Ein weiterer Nachteil wird im Alltag deutlich: Der iPod ist in der Tasche nicht mehr steuerbar. Hatte man bei den alten Modellen mit Clickwheel noch Zugriff auf die wichtigsten Funktionen, muss der Touch für jeden Befehl ans Tageslicht befördert werden. Da auf sämtliche Tasten verzichtet wurde, ist nicht einmal mehr eine Änderung der Lautstärke möglich.

Auch wenn es vor kurzem noch nahezu undenkbar war, das Clickwheel wird sicherlich niemand vermissen. Denn die Steuerung des neuen iPod Touch ist mehr als gelungen und der des iPhones komplett nachempfunden. Völlig intuitiv tippt und zieht der Nutzer sich durch das Menü. Vor allem das Durchblättern langer Listen funktioniert besser als auf jedem anderen zuvor getesteten MP3-Player oder Mobiltelefon. Ein Konzept, das sowohl Einsteiger als auch alte Hasen in seinen Bann zieht.

Wer die eigene Musiksammlung nicht ordentlich pflegt, wird im Falle iPod Touch mit einer recht trostlosen Ansicht im Cover-Flow bestraft.
Wer die eigene Musiksammlung nicht ordentlich pflegt, wird im Falle iPod Touch mit einer recht trostlosen Ansicht im Cover-Flow bestraft.

So wechselt beispielsweise beim Musikhören die Bildschirmansicht automatisch in den von iTunes bekannten Cover-Flow-Modus, wenn der iPod entsprechend gedreht wird - ein integrierter Neigungs-Sensor macht es möglich. Dort lässt sich das gewünschte Album anhand des Covers bequem per Fingerdruck auswählen. Bei größeren Musiksammlungen hat der Daumen hierbei allerdings eine ganze Menge Arbeit.

Anschluss an den Rechner

Apple bleibt dem Prinzip "kein iPod ohne iTunes" treu und baut es sogar weiter aus: Der iPod kann nun nicht mehr als externes Laufwerk herhalten. Beim ersten Anschluss an den Rechner begrüßt der bereits von ältern Modellen bekannte Setup-Assistent den Nutzer. Hier kann die Art und Weise der Synchronisation und ein eigener Name für den iPod angegeben werden. Nutzer des Apple-Browsers Safari freuen sich über die Möglichkeit, Bookmarks automatisch mit aktualisieren zu können.

Musik, Fotos, Podcasts und Videos lassen sich nach wie vor ausschließlich mit iTunes abgleichen. Das ist zwar komfortabel, denn iTunes bietet ein übersichtliches, intuitives und umfangreiches Handling. Auf der anderen Seite schränkt es den Nutzer allerdings ein. Vor allem die fehlende Möglichkeit reine Daten auf dem iPod Touch zu lagern, dürfte bei vielen Käufern auf Unverständnis stoßen.

Musikverwalten

Im Kern ist und bleibt der iPod ein MP3-Player, auch wenn die zahlreichen Zusatzfunktionen wie Video und Browser dem ursprünglichen Einsatzzweck förmlich das Wasser abgraben. Ein kurzer Fingerdruck auf das Musik-Symbol am unteren Ende des Bildschirmes öffnet den Musik-Player. Die gespeicherte Musik lässt sich nach verschiedenen Kriterien ordnen: Die Einträge "Listen", "Interpreten", "Titel", "Alben" und "Weitere" erscheinen auf dem Bildschirm. Unter "Listen" finden sich die aus früheren iPod-Generationen bekannten Einträge wie "Meine Top 25", "Zuletzt gespielt" oder "Einkäufe". Die Einträge jeder Liste lassen sich in zufälliger Reihenfolge abspielen.

Das Menü bietet verschiedene Möglichkeiten der Sortierung.
Das Menü bietet verschiedene Möglichkeiten der Sortierung.

Nahezu perfekt wurde das Blättern durch lange Einträge, etwa aller gespeicherten Titel, gelöst. Die einzelnen Lieder werden alphabetisch geordnet und mit dem Daumen durchblättert. Auf der rechten Seite befindet sich zusätzlich eine Buchstabenleiste die perfekt zur Schnellwahl geeignet ist.

Wiedergabelisten können vom Nutzer selbst angelegt und verwaltet werden. Zwar lassen sich Videos direkt vom iPod selbst löschen, bei Musikdateien funktioniert dies hingegen nicht. Wird der iPod bei laufender Wiedergabe in den Ruhezustand versetzt, setzt das zuvor unterbrochene Stück an der gleichen Stelle wieder ein (Resume). Wird der Apple-Player allerdings über einen längeren Druck auf die Powertaste in den Tiefschlaf geschickt, funktioniert dies nicht. Besonders ärgerlich für Hörbuchfreunde: Auch die Möglichkeit, dauerhafte Lesezeichen zu setzen (Bookmark), haben wir bei unserem Testmodell vermisst.

Klangqualität

Trotz des schönen Scheins: Auch dieser iPod klingt für die breite Masse ausgewogen; audiophil veranlagte Hörer kommen aber nicht auf ihre Kosten. Der iPod Touch lässt jede manuelle Einstellmöglichkeit des Klangs vermissen und bietet stattdessen 22 bereits voreingestellte Equalizer-Presets. Diese tragen nur bedingt für ein angenehmes Hörerlebnis bei, manche der Einstellungen sind schlichtweg unbrauchbar. Das beste Ergebnis erzielt man, wenn sämtliche Presets unangetastet bleiben.

Auch Effektprogramme, wie sie zahlreiche andere MP3-Player längst bieten, stehen nicht auf der Ausstattungsliste. Es ist so, wie es immer ist: die perfekte Optik, die geniale Steuerung und das gesamte Apple-Universum lassen Schwächen im Klang, hauptsächlich bei der schwachen Basswiedergabe, verzeihen. Darüber sollte man sich vor dem Kauf klar sein. Wenn der direkte Vergleich fehlt, werden die allermeisten Käufer am Klang aber nichts auszusetzen haben.

Keine Überraschungen bei der Format-Frage. Neben dem obligatorischen MP3-Format kommt auch dieser iPod mit AAC-, Audible-, Apple Lossles- und WAV-Musik klar. Exoten wie OGG Vorbis oder FLAC bleiben außen vor, was den durchschnittlichen iPod-Käufer aber nicht weiter stören dürfte.

Videos

Auch längere Spielfilme werden auf dem großen Display nicht zur Qual. Nach etwa vier Stunden neigt sich die Akku-Kapazität dem Ende zu.
Auch längere Spielfilme werden auf dem großen Display nicht zur Qual. Nach etwa vier Stunden neigt sich die Akku-Kapazität dem Ende zu.

Eine Bildschirmdiagonale von knapp neun Zentimetern schreit förmlich nach der Video-Wiedergabe. In der Tat sind auch längere Spielfilme auf dem iPod zumutbar, der gut auflösenden und recht scharfen Anzeige sei dank. Im Vergleich zum iPhone könnte der iPod Touch ein wenig mehr Helligkeit vertragen. Kontrast und Farbtreue sind jedoch vorbildlich. Unterstützt werden H.264- und MPEG-4-Videos.

Bei reiner Videowiedergabe, ausgeschaltetem WLAN und mittlerer Helligkeitseinstellung schreit der intern verbaute und nicht austauschbare Akku nach etwas mehr als vier Stunden nach einem Rechner. Strom bezieht Apples neustes Top-Modell unter den MP3-Playern ohne aufpreispflichtiges Zubehör nämlich nur über den USB-Anschluss. Ein externes Netzteil kostet extra.

Surfen im Web

Konkurrent Archos hat es mit einigen Modellen bereits vorgemacht, Apple legt mit dem iPod Touch nun nach: Auf Surftour mit dem MP3-Player. Ein integriertes WLAN-Modul erscheint vielleicht erst auf den zweiten Blick sinnvoll, dennoch ist es ein absoluter Mehrwert. Auch diejenigen, die die Möglichkeit direkt im iTunes Music Store online auf Einkaufstour zu gehen, nicht nutzen möchten, werden das Surfen im Netz mit dem iPod zu schätzen wissen.

Grund hierfür ist die erstklassige Umsetzung des Safari-Browsers auf dem iPod. Trotz fehlender Flash- und Java-Unterstützung ist das Stöbern im Netz kein Problem, das Display ausreichend groß bemessen. Auf die ansonsten übliche Beschneidung von Webseiten verzichtet die Safari-Version und bietet stattdessen die Möglichkeit, mit Hilfe von zwei Fingern einzelne Ausschnitte zu zoomen. Die Seiten werden also exakt so dargestellt, wie der Nutzer es von seinem Notebook oder Desktop-Rechner her gewöhnt ist. Selbst Tab-Browsing ist kein Problem.

Auch der Zugriff auf das bekannte Filmportal Youtube ist möglich, das Menü hält hierfür sogar ein extra Symbol bereit. Videos lassen sich bookmarken, sortieren und natürlich auch betrachten. Sobald ein Video angeklickt wird, wechselt die Bildschirmansicht in die horizontale Darstellung. Die Geschwindigkeit beim Surfen lässt kaum Wünsche offen. Ungeübte Nutzer werden bei der Adress-Eingabe einige Zeit brauchen, um mit der virtuellen Tastatur, welche exakt der des iPhones entspricht, klarzukommen. Nach einer Eingewöhnungszeit stellt dies aber kein Problem mehr dar.

Zusatzfunktionen

Im iPod-Menü klickt und zieht man sich zum Ziel - alles mit den nackten Fingern.
Im iPod-Menü klickt und zieht man sich zum Ziel - alles mit den nackten Fingern.

Entweder hat Apples es versäumt, oder aber räumt dieses Feature exlusiv dem iPhone ein, jedenfalls fehlt dem iPod Touch der E-Mail-Client. Zwar können über Safari natürlich Webmail-Konten abgerufen werden - ein eigener Client wäre dennoch wünschenswert. Auch andere Menüeinträge hinterlassen nach genauerer Betrachtung Fragezeichen.

Der Kalender beispielsweise scheint eine praktische Sache zu sein, lässt sich aber nur mit zuvor am Rechner erstellten Einträgen füttern. Obwohl der iPod Touch die Möglichkeit der Texteingabe durchaus bietet, können Verabredungen und Termine nachträglich weder editiert noch gelöscht werden. Ärgerlich, denn in anderen Ebenen, etwa beim Erstellen von Kontakten oder der Adresseingabe unter Safari, funktioniert dieses Feature tadellos. Leider müssen iPod-Kunden auch auf die Möglichkeit verzichten, Notizen zu erstellen und zu verwalten.

Fazit

Apple legt die Messlatte hoch: Der iPod Touch ist der MP3-Player, an dem sich alle anderen mal wieder messen müssen. Denn genau so sollten Menüs gestrickt sein, so sollte ein Gehäuse aussehen und genau so stellen wir uns sinnvolle Zusatz-Funktionen für einen MP3-Player vor. Nur scheint der iPod Touch im Hinblick auf das bald erhältliche iPhone Apples ungeliebtes Kind zu sein. Frei nach dem Motto: Ein paar Features beim iPod Touch weglassen, um Kunden lieber beim teureren iPhone zuschlagen zu lassen.

Wer allerdings das nötige Kleingeld vorweisen kann oder sich keinen neuen Handy-Vertrag ans Bein binden möchte, findet im Apple iPod Touch einen atemberaubenden MP3-Player mit der besten Bedienoberfläche, die jemals bei einem tragbaren Gerät zum Einsatz kam. Kleinere Schwächen wie beispielsweise fehlende externe Lautstärkeregler verzeiht man diesem iPod dann vielleicht ein wenig leichter.

Apple iPod Touch 1G
9
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