Apples Breitseite: iPod Nano der 3. Generation im Test

Fettleibig oder einfach nur schwere Knochen?

Spötter behaupten, er sehe aus wie vom LKW überfahren. Apples neuer Nano ist gleichzeitig schmal und breit, fast quadratisch - ein Minikino. Das lässt ihn einfach in Hosentaschen gleiten und überall mit dabei sein. "Ein bisschen Video für alle", verspricht Apple in den Werbespots zum Nano. Wie viel der schnicke Player davon einhalten kann, klärt der ausführliche Testbericht.

Inhaltsverzeichnis

  1. Ein bisschen Video für alle?
  2. Ergonomie und Menüführung
  3. Markieren statt klicken
  4. Anschluss an den Rechner
  5. Hörtest
  6. Extras
  7. Fazit

Acht Gigabyte Flash-Speicher, verpackt in einer adretten Hülle. Wäre ein wenig Schokolade drumherum, man könnte fast reinbeißen. Die Optik des neuen Nanos der dritten Generation fällt radikaler als bei den Vorgängermodellen aus. Beschränkte Apple sich beim Sprung vom Ur-Nano auf die zweite Generation noch auf eine neue Materialwahl, kommt nun, bei der dritten Generation, eine gänzlich neue Formensprache zum Zuge.

Der aktuelle Nano misst 52,3 x 69,8 x 6,5 Millimeter und wiegt gerade einmal 50 Gramm - perfekt für die Hosentasche. Die auf den ersten Blick edle Aluminium-Optik der Vorderseite und die spiegelnde Rückseite werden diese Prozedur auf Dauer aber nicht unquittiert lassen. Schon nach den ersten beiden Tagen im Praxiseinsatz zeigen sich unschöne Kratzer auf beiden Seiten. Eine schützende Hülle aus dem breit gefächerten Zubehörprogramm ist daher Pflicht.

Ein bisschen Video für alle?

Die neue Breite soll den Nano zum Taschenkino machen. Im Prinzip hätte das mit 320 x 240 Bildpunkten auflösende Mini-Display auch das Zeug dazu - nur an der Größe hapert es. Echter Filmgenuss will bei einer Bildschirm-Diagonalen von fünf Zentimetern kaum aufkommen. Ein bisschen Video für alle, wie Apples Werbespots es ankündigen, ist aber tatsächlich drin. Gerade weil das Display trotz der kleinen Größe über eine gute Auflösung und eine angenehme Ausleuchtung verfügt.

Bei den Video-Formaten kommt Apples kleine Breitseite immerhin mit H.264 klar, maximal 30 Bilder in der Sekunde flimmern dann über den kleinen Schirm. Und das bei Bedarf rund sieben Stunden lang, bis der intern verbaute und nicht auswechselbare Akku nach einem Rechner mit USB-Anschluss verlangt. Im reinen Audio-Betrieb sind je nach Einstellung bis zu 26 Stunden Dauerbetrieb möglich. Ein guter Wert. Eilige Zeitgenossen werden sich über die Möglichkeit freuen, den iPod für eine halbe Stunde ans Stromnetz anschließen zu können und damit den Akku bis zu 80 Prozent zu laden.

Apple iPod Nano 3. Generation

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Ergonomie und Menüführung

Beim Lineal-Design der beiden Vorgängermodelle wussten Daumen und Zeigefinger auf Anhieb wo sie hingehören. Natürlich gibt auch bei der dritten Generation das Clickwheel die Daumenstellung vor, doch für größere Hände ist es vielleicht ein Stück zu weit unten im Gehäuse angebracht.

Prinzipiell bleibt der Nano in der Hosentasche bedienbar, zumindest lassen sich die Hauptfunktionen wie Titelsprung und die Lautstärkeregelung ertasten. Besser lässt es sich selbstverständlich bei direktem Sichtkontakt im vorbildlichen Menü des Nanos werkeln.

Die Bedienung des iPod Nanos folgt zwar noch der konventionellen Linie der iPod-Reihe und setzt nicht wie beim iPod Touch auf Berührung. Dennoch funktioniert sie nach wie vor sehr intuitiv und logisch. Nun ist es beispielsweise auch beim Nano möglich, Alben-Cover übersichtlich in der Cover-Flow-Ansicht anzeigen zu lassen.

Leider macht dies bei weitem nicht so viel Freude wie das Durchstöbern der Cover mit dem iPod Touch, denn der Nano genehmigt sich zwischen dem Blättern die ein oder andere Gedenksekunde. Richtig flüssig ist das Plattenstöbern so nicht, außerdem wird Cover-Flow ab einer größeren Anzahl von Alben ziemlich unübersichtlich. Dennoch - ein nettes und schickes Gimmick.

Markieren statt klicken

Wirklich Spaß macht das Durchforsten des neugestalteten Menüs. In sehr vielen Ebenen ist der Bildschirm nun zweigeteilt. Markiert man im Startmenü beispielsweise den Eintrag "Musik", so werden auf der rechten Seite bereits zufällige Cover ein- und ausgeblendet. Und so reicht es mittlerweile aus, den Eintrag "Einstellungen" zu markieren, um auf einen Blick die restliche Speicherkapazität angezeigt zu bekommen.

"Extras" wiederum zeigt etwa die aktuelle Uhrzeit an, ohne den Eintrag überhaupt bestätigen zu müssen. Diese kontextabhängige Menü-Anzeige ist eine auf den ersten Blick unscheinbare Weiterentwicklung, eher Evolution als Revolution. Dennoch gelingt Apple das Kunststück eine Menü-Oberfläche zu gestalten, die informativ, zweigeteilt und in vielen Fällen sogar animiert ist, ohne überfrachtet oder hektisch zu wirken.

Anschluss an den Rechner

Auch der neue Nano gehört zum Apple-Universum und lässt sich folgerichtig nur mit iTunes synchonisieren. Im Lieferumfang enthalten ist das speziell angepasste USB-Kabel, welches gleichzeitig die einzige Möglichkeit darstellt, den Akku wieder aufzuladen. Wer längere Strecken ohne Rechner auskommen muss, kann auf optionale USB-Ladegeräte ausweichen. Diese kosten etwa 15 Euro und sind im Zubehörhandel erhältlich.

Hörtest

Trotz des schönen Scheins: Auch dieser iPod klingt für die breite Masse ausgewogen; audiophil veranlagte Hörer kommen aber nicht auf ihre Kosten. Alle iPods lassen jede manuelle Einstellmöglichkeit des Klangs vermissen und bieten stattdessen 22 bereits voreingestellte Equalizer-Presets. Diese tragen nur bedingt für ein angenehmes Hörerlebnis bei, manche der Einstellungen sind schlichtweg unbrauchbar. Das beste Ergebnis erzielt man, wenn sämtliche Presets unangetastet bleiben. Subjektiv lässt sich ein klanglicher Unterschied zwischen Touch und Nano in der Grundeinstellung feststellen. Dieser fällt allerdings vernachlässigbar gering aus.

Keine Überraschung bei der Formatfrage: Neben dem obligatorischen MP3 erscheinen noch AAC, AAC (DRM), Apple Lossless und WAV auf der Seite der abspielbaren Audioformate. Die bei vielen Musikliebhabern so hoch geschätzten Formate OGG und FLAC finden auch bei diesem iPod-Modell keine Beachtung. Dafür kommt der kleine Nano mit Gapless Playback, also der lückenlosen Titel-Wiedergabe, klar. Dies ist vor allem bei Live-Aufnahmen ein echter Vorteil.

Extras

Immer noch kein Radio, dafür die übliche Ansammlung mehr oder weniger nützlicher Helfer wie Stoppuhr, Kalender, Notizen und Adressen. Genau wie beim iPod Touch ist es auch beim Nano der dritten Generation nicht möglich, bereits erstellte Kalender- oder Adressbuch-Einträge zu ändern oder neu zu erstellen.

So muss jeder einzelne Eintrag zuvor am Rechner angelegt und mit dem iPod synchronisiert werden. Auch wenn es auf dem iPod schöner aussieht - jedes Handy leistet heutzutage mehr in Sachen Adress- und Termin-Verwaltung. Bittere Nachricht für Besitzer eines älteren iPod-Modells: Spiele, die für die Generation 5.5 im iTunes-Store erworben wurden, sind auf dem iPod Nano nicht lauffähig.

Gute Nachricht: Die drei bereits vorinstallierten Spiele "iPod Quiz" (der Nachfolger des Music Quiz), "Klondike" und "Vortex", machen einen sehr netten Eindruck und eignen sich perfekt für Abwechslung in öffentlichen Verkehrsmitteln. Bislang ist der Spiele-Nachschub im iTunes-Shop noch sehr übersichtlich, was sich aber mit Sicherheit bald ändern wird.

Fazit

Ob Apples neuer Nano nun zu dick, zu breit, zu hässlich ist, bleibt dem Geschmack jedes einzelnen Käufers oder Kritikers überlassen. Punkten kann Nano Nummer 3 jedenfalls mit einem hervorragend strukturierten und wohldurchdachten Menü, der einfachen Bedienung sowie der hohen Verarbeitungsqualität - typisch Apple eben. Auch die Videowiedergabe meistert der Kleine besser, als man dies vermuten würde.

Negativ fällt das teilweise recht träge reagierende Menü, vor allem der Cover-Flow, auf. Obwohl die iPod-Variante des Album-Blätterns im Vergleich zur iTunes-Version deutlich abgespeckt wurde, sieht man dem iPod die Schweißperlen auf der Stirn bei dieser mühevollen Arbeit an. Wem das neue Design des Nanos nicht gefällt, sollte einen Blick auf die zweite Generation werfen, die zurzeit recht günstig zu haben ist.

Apple iPod Nano 3G
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