Apple iPod Nano 5G im Test: Die Mini-Video-Maschine

Kompakter iPod mit überraschenden Funktionen

Die fünfte Version von Apples iPod Nano stellt dank Videokamera, UKW-Radio, Mikrofon, Lautsprecher und Schrittzähler eine Art digitales Schweizer Taschenmesser dar. Im Test muss der iPod Nano 5G seine Video- und Audio-Qualitäten unter Beweis stellen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wenig Neues im Vergleich zum Vorgänger
  2. Mikrofon und Lautsprecher
  3. Radio mit Live-Pause und RDS
  4. Schrittzähler
  5. Videokamera
  6. Audio-Qualität
  7. Test-Wiedergabeliste:
  8. Bedienung
  9. Fazit

Als der Vorhang der Apple-Keynote am 9. September in San Francisco fiel, stand einigen Besuchern die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Spekulationen im Vorfeld der Keynote hatten viele Beobachter erwartet, dass das iPod-Flaggschiff iPod Touch mit einer Kamera ausgerüstet wird. Selbst Zubehör mit Aussparungen für eine Kameralinse wurde im Vorfeld gesichtet. Stattdessen kann nun der iPod Nano als einziger MP3-Player von Apple Videos aufzeichnen.

Wenig Neues im Vergleich zum Vorgänger

Die Kamera ist allerdings nicht das einzige Detail am Nano der fünften Generation, das Apple im Vergleich zum optisch ähnlichen Vorgängermodell verändert hat. Das Display misst in der Diagonalen nun 2,2 Zoll statt 2,0 Zoll. Die Auflösung beträgt jetzt 240 x 376 anstelle von 240 x 320 Bildpunkte.

Ähnlich marginal fallen die Änderungen der Gehäuseabmessungen aus. Der neue iPod Nano der fünften Generation misst nun 91,4 x 38,1 x 6,2 Millimeter und wiegt 36,3 Gramm. Zum Vergleich: Das über Apples Vertriebskanäle nicht mehr erhältliche Vorgängermodell wiegt ein halbes Gramm weniger und misst 90,7 x 38,7 x 6,2 Millimeter.

Mehr ins Auge als die leicht veränderten Abmessungen fällt die polierte und stark glänzende Aluminium-Oberfläche des iPod Nano 5G, die in neun unterschiedlichen Farbgebungen zur Verfügung steht. In sieben von neun Fällen ist das Clickwheel, der markante Steuerungsring im unteren Gehäusedrittel, in weiß gehalten. Lediglich beim schwarzen und grauen Gehäuse ist das Clickwheel schwarz.

Mikrofon und Lautsprecher

Praktisch ist das eingebaute Mikrofon des neuen iPod Nanos. Es befindet sich auf der Rückseite des Players, direkt unterhalb der Kamera. Die winzige Mikro-Öffnung erlaubt das Mitschneiden von Gesprächen oder das Aufnehmen von Hintergrundgeräuschen. Die Aufnahmen landen im AAC-Format und mit einer Kodierung von 128 Kbit/s im Flashspeicher des iPods, eine Änderung der Aufnahmequalität, etwa um Speicherplatz zu sparen, ist nicht möglich. Leider zeigt das Gerät während der Aufnahme nicht die verfügbare Restkapazität des Speichers an. Bei normaler Zimmerlautstärke reicht die Sensibilität des Mikrofons für eine Distanz zur Tonquelle von etwa zehn Metern aus.

Ebenfalls neu ist der unsichtbar in das Gehäuse des iPod Nano eingebaute Lautsprecher. Genial: Wie auch immer man den iPod Nano in der Hand hält, die Gefahr, den Lautsprecher mit dem Finger zu überdecken und damit den Klang zu beeinträchtigen, besteht nicht. Viel erwarten dürfen Käufer vom Mono-Speaker allerdings nicht. Er dient eher zur Wiedergabe von Bestätigungs-Tönen bei Menü-Eingaben als zum Abspielen von Musik. Der Mini-Lautsprecher übersteuert bei der Musikwiedergabe nämlich dermaßen, dass der Anwender schnell wieder zum Kopfhörer greift.

Radio mit Live-Pause und RDS

Wesentlich praxistauglicher als der Lautsprecher wirkt das eingebaute Radio des neuen iPod Nano. Wer die wahlweise 8 oder 16 Gigabyte gespeicherter Musik in und auswendig kennt, freut sich über die Möglichkeit, bei angeschlossenen Kopfhörern das aktuelle Radioprogramm empfangen zu können. Dank RDS-Unterstützung erscheint der Sender-Name im Klartext auf dem Display.

Die von Apple auf den Namen "Live Pause" getaufte Funktion hält auf Knopfdruck das aktuelle Radio-Programm an und speichert derweil bis zu 15 Minuten der Live-Übertragung. Ein weiterer Knopfdruck genügt, und das Programm setzt an der gleichen Stelle wieder ein. So lassen sich zum Beispiel auch Ansagen oder Werbungen überspringen. Ein dauerhaftes Sichern von Radio-Mitschnitten ist hingegen nicht möglich.

Schrittzähler

Dank des eingebauten Bewegungssensors, der auch für die automatische Bildausrichtung des Displays sorgt, zählt der neue iPod Nano auf Wunsch jeden Schritt seines Besitzers - und das mit erstaunlicher Genauigkeit. Im Test stimmte die auf dem Display angezeigte Schrittzahl in vier von vier Versuchen exakt mit der tatsächlichen überein. Wer zusätzlich sein Gewicht in den Einstellungen eingibt, kann sich vom Nano am Ende eines langen Arbeitstages sogar die verbrauchten Kalorien anzeigen lassen. Als Anreiz zur Gewichtsreduzierung kann der Nutzer Tagesziele eingeben. In einer Kalenderübersicht können anschließend die zurückgelegten Schritte und die erreichten Tagesziele verfolgt werden.

Videokamera

Die größte Neuerung am neuen iPod Nano ist aber die Videokamera. Beinahe unsichtbar versteckt sich die winzige Linse ungeschützt auf der Gehäuserückseite. Die Kamera ist ausschließlich für das Aufzeichnen von Videos vorgesehen, Fotos lassen sich nicht anfertigen. Apple verweist bei entsprechenden Nachfragen lediglich auf die Möglichkeit, Fotos aus den Standbildern eines aufgenommenen Videos zu erstzellen. Die Qualität dieser so genannten "video stills" ist aber sehr gering.

Apple iPod Nano 5G

Die Aufnahmequalität lässt sich auch nicht beeinflussen - Videoclips landen stets in VGA-Auflösung mit 30 Einzelbildern in der Sekunde im Nano-Speicher. Für den Ton ist das interne Mikrofon zuständig. Aufgrund der Positionierung der Kamera und des Mikrofons am linken, unteren Gehäuserand müssen Nutzer während der Aufnahme aufpassen, Kameralinse und Mikro während der Aufnahme nicht mit dem Finger zu überdecken.

Auf dem kleinen Display des iPod Nano betrachtet wirken die aufgenommenen Testvideos flüssig. Positiv: Auch in recht dunklen Aufnahmesituationen lassen sich Details erkennen, mit denen die meisten Handy-Kameras Probleme hätten. Allerdings bieten Mobiltelefone meist die Möglichkeit, eine Fotolicht für die bessere Ausleuchtung zuzuschalten. Darauf muss der iPod Nano verzichten.

Die iPod-Videos im MP4-Format werden unter Windows entweder mit Hilfe des Kamera-Assistenten oder via Drag-and-Drop aus dem Explorer heraus auf den Rechner übertragen. Unter Mac OS X führt der Weg über iTunes oder iPhoto. Auf dem großen PC-Monitor betrachtet, wirkt die Videoqualität nicht berauschend, aber annehmbar.

Während der Videoaufzeichnung stehen 15 Effekte, beispielsweise Sepia, Schwarz-Weiß, Filmkörnung oder Röntgen, zur Verfügung. Die Effekte werden in Echtzeit berechnet und können während der Aufnahme betrachtet werden. Alle Videos lassen sich im Nachhinein mit entsprechenden Programmen schneiden und bearbeiten.

Audio-Qualität

Im Vergleich zum Vorgängermodell ist subjektiv kein Unterschied bei der Klangqualität feststellbar: Der iPod ist und bleibt ein MP3-Player für Mainstream-Stücke. Menschen, die auf jede Nuance eines Musiktitels achten und ihre Lieder stets in der niedrigsten Kompressionsstufe übertragen, sollten sich einen anderen MP3-Player suchen. Das beste Hörerlebnis liefert der Apple-Player in der Grundeinstellung, bei deaktiviertem Equalizer.

Die insgesamt 22 verfügbaren Equalizer-Presets sollen den Sound für unterschiedliche Musikstile optimieren. Zum größten Teil verschlechtern sie den Höreindruck aber deutlich. Dafür lässt sich mit Hilfe des Clickwheels das Lautstärke-Level so feingliedrig wie bei keinem anderem derzeit erhältlichen MP3-Player einstellen.

Test-Wiedergabeliste:

  • Lied 1: Keziah Jones: Our Lady Soul (Acoustic)
  • Lied 2: The Crystal Method: Bound Too Long
  • Lied 3: Peter Licht: Beipflichtn

Als Testkopfhörer dient die netzwelt-Referenz Shure E500PTH sowie die zum Lieferumfang gehörenden Original-Apple-Kopfhörer. Wie schon beim Vorgängermodell wirkt die gezupfte Gitarre in Keziah Jones Stück "Our Lady Soul" weit weg und wenig präsent. Die Equalizer-Einstellung "Acoustic" schafft hier kein besseres Ergebnis - lediglich die Mitten, vor allem die Stimme des Sängers, rücken in den Hintergrund.

Die pumpenden Bässe von "Bound Too Long" bringen die Original-Kopfhörer zum Krächzen, die Shures E500 übersteuern nicht ganz so stark, wurden an anderen MP3-Playern aber schon wesentlich besser durchblutet. Bei Pop-Musik wie Peter Lichts "Beipflichtn" fühlt sich der iPod Nano deutlich wohler.

Bedienung

An der grundsätzlichen Steuerung des iPod Nano sowie an der Menüstruktur hat Apple nichts verändert. Dies ist auch gut so - kaum ein anderes technisches Gerät ist bei der Bedienung so einfach zu durchschauen wie die iPod-Reihe mit Clickwheel. Über den berührungsemfindlichen Kreis im unteren Gehäuse-Drittel blättert der Nutzer durch lange Listen oder regelt die Lautstärke. Ein Druck auf die mittlere Taste bestätigt einen markierten Eintrag, die Menü-Taste führt stets eine Menü-Ebene zurück - einfach gut.

Neu beim iPod Nano ist die so genannte Voice-Over-Steuerung. Auf Knopfdruck liest eine Computerstimme den abgespielten Titel und den zugehörigen Interpreten vor. Der Nutzer muss daher nicht einmal mehr einen Blick auf das Display werfen, um Songnamen und Interpreten herauszufinden. Das Anwählen der Voice-Over-Funktion erfolgt wahlweise über die zentrale Bestätigungstaste oder mit Hilfe der optional erhältlichen Kopfhörer mit Kabelfernbedienung.

Fazit

Der neue iPod Nano ist ein rundum gelungener MP3-Player mit vielen nützlichen Zusatzfunktionen. Punkten kann er vor allem durch einen guten Kompromiss aus Leistung und Abmessungen. So viele Funktionen, darunter für Abspielgeräte exotisch wirkende Zutaten wie Schrittzähler, Videokamera oder Voice-Over-Steuerung, findet sich derzeit in keinem anderen MP3-Player dieser Klasse.

Die wesentlichen Kritikpunkte teilt er sich mit allen anderen bislang veröffentlichten iPod-Modellen: Der Klang inklusive der Equalizer-Presets ist verbesserungswürdig und der MP3-Player entfaltet sein volles Potenzial nur in Kombination mit der Apple Software iTunes. Wer damit leben kann, darf bedenkenlos zugreifen.

Der Apple iPod Nano wird in zwei verschiedenen Speichervarianten, mit acht und 16 Gigabyte großem Flashspeicher angeboten. Für die Basis-Version verlangt Apple 139 Euro. Der doppelte Speicherplatz schlägt mit einem Preis von 169 Euro zu Buche. Im Lieferumfang enthalten sind Kopfhörer und ein spezielles USB-Kabel, das nur in Verbindung mit iPods zu gebrauchen ist.

Apple iPod Nano 5G
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