Seagate Personal Cloud im Test: Dieses NAS bietet mehr als es verspricht

Eigene Cloud mit ein paar Extras

Seagate Personal Cloud

Günstige Private-Cloud-Lösungen bieten meist fast ausschließlich reinen Dateizugriff und simplex Media-Streaming. Mit der Personal-Cloud-Reihe geht Seagate einen Schritt weiter: Unter anderem kann das Seagate-NAS im Test mit einem Mediacenter, alternativen Cloud-Tools, IFTTT-Integration und ausgefallener Optik punkten. Es gibt aber ein kleines aber.

Inhaltsverzeichnis

  1. Hardware und Verarbeitung
  2. Oberfläche und Performance
  3. Persönliche Cloud
  4. Funktionen und Multimedia
  5. Eierlegende Wollmilchsau
  6. Fazit

Seagate möchte sich mit dem NAS-System "Personal Cloud" eindeutig von der Masse absetzen - das sieht man schon am Design: Statt des üblichen Hochkantformats externer Festplatten und NAS, nutzt Seagate das Layout eines kleinen Receivers. Funktional hat das freilich keine Auswirkungen, zumal sich jedes NAS auch quer betreiben lässt, aber so fügt es sich schon schöner in die TV-/HiFi-Landschaft ein. Wie der Name schon verrät, handelt es sich um ein NAS der Klasse Private Cloud, sprich es geht hauptsächlich um das Speichern von und (Fern-) Zugreifen auf Daten.

Wohnzimmer-tauglicher Formfaktor: Seagate Personal Cloud ist nicht nur optisch interessant.
Wohnzimmer-tauglicher Formfaktor: Seagate Personal Cloud ist nicht nur optisch interessant. (Quelle: Seagate)

Für rund 140 Euro bekommt ihr die 3-Terabyte-Variante und nach dem Start stellt man schnell fest: Auch wenn für ein Private-Cloud-NAS Fernzugriff und Media Streaming völlig ausreichen würden, kann der kleine Kasten doch noch einiges mehr - bleibt dabei aber auch für Einsteiger administrierbar. Ebenso einsteigertauglich ist die Grundeinrichtung, die nach zwei, drei Minuten und ein paar Klicks durch den guten Assistenten erledigt ist.

Hardware und Verarbeitung

Für 140 Euro bekommt man natürlich wieder mal einen reinen Plastikbomber. An der Verarbeitung gibt es ansonsten nichts zu beanstanden. Immerhin hat Seagate dem NAS einen zweiten, seitlichen USB-Anschluss spendiert. Das ist gleich doppelt praktisch: Zum einen ist er leichter erreichbar als auf der Rückseite und zum anderen lässt sich das Gerät so dauerhaft mit einer externen USB-Festplatte erweitern oder als USB-Server im Netzwerk nutzen und dennoch bleibt ein USB-Port, um zwischendurch mal einen Stick anzuschließen.

Zu den inneren Werten macht Seagate keine großen Angaben - das ist bedauerlich, aber auch nicht wirklich tragisch, da das System nicht groß erweitert werden kann und für die vorgegebenen Funktionen schlicht genügend Leistung bietet. Die Geräuschkulisse ist zumindest im Neuzustand angenehm leise, hier sind keine Schleifgeräusche, Resonanzen oder Ähnliches zu vermerken.

Oberfläche und Performance

Die Oberfläche der Personal Cloud ist sehr gut gelungen: Modernes Design und nur die nötigsten Einstellungen erfreuen vor allem Einsteiger umgehend - im Grunde ist fast alles selbsterklärend. Natürlich gibt es hier und da die üblichen unschönen Übersetzungsfehler, aber die gibt es anderswo wesentlich häufiger.

Die Browser-Oberfläche ist simpel und selbsterklärend.
Die Browser-Oberfläche ist simpel und selbsterklärend. (Quelle: Screenshot)

Die Performance ist jedoch nicht der Hit: Zum einen ist die Oberfläche an vielen Stellen etwas träge und aufwändigere Funktionen wie der Plex-Mediaserver könnten noch ein wenig mehr Hardware vertragen - ernsthaft störend ist das aber, zumindest für den Preis, nicht. Beim Datentransfer kann Seagate jedoch nicht mit der Spitzer mithalten: Per Gigabit-Ethernet an einer Fritzbox, werden Dateien mit rund 50 Megabyte pro Sekunde geschrieben - wie bei zwei weiteren Geräten ebenfalls. Die im selben Netz und an derselben Box hängende Konkurrenz QNAP 251+ liefert knapp die doppelte Geschwindigkeit. Aber auch das ist nicht weiter wild, wenn man nicht ständig hin und her kopiert.

Persönliche Cloud

Die Hauptfunktion ist der Fernzugriff - und das funktioniert einwandfrei. Wie üblich könnt ihr direkt über eine Registrierung bei Seagate über das Internet auf den Speicher zugreifen, sei es über Seagates Media App für Android und iOS, über den Browser oder sonstige Apps. Alternativ lässt sich natürlich jederzeit ohne Seagates Hilfe über einen Dynamic-Domain-Name-Service (DDNS) und eine Weiterleitung auf dem Router Zugriff erlangen.

Seagate Personal Cloud und "echte" Cloud-Dienste lassen sich wunderbar kombinieren.
Seagate Personal Cloud und "echte" Cloud-Dienste lassen sich wunderbar kombinieren. (Quelle: Screenshot)

Das eigentliche Persönliche-Cloud-Highlight ist aber ownCloud. Mit der ausgewachsenen Open-Source-Cloud-Lösung steht optional ein hervorragendes Stück Software zur Verfügung, mit dem sich der ganze Zugriff komplett ohne Seagate-Tools bewerkstelligen lässt. ownCloud steht für alle Plattformen zur Verfügung, läuft im Browser und kann mit Add-ons beispielsweise um Funktionen für Kalender, Links oder Sharing erweitert werden. Allein durch diese zweite Cloud-Lösung, ist Seagate der Konkurrenz voraus.

Auch Backups und Synchronisierungen mit anderen Cloud-Diensten sind ausnehmend gut gelöst: Backups lassen sich über Protokolle wie SMB, FTP oder auch RSync erstellen und Cloud-Anbieter wie Dropbox, Google Drive, OneDrive und so weiter lassen sich synchronisieren oder ebenfalls für Backups nutzen.

Funktionen und Multimedia

Ein simpler Streaming-Server gehört sich auch für einfache Privat-Cloud-NAS. Seagates Standard-Variante entspricht der Herangehensweise der meisten anderen günstigen Lösungen: Ein simpler Server, der einfach nur Dateien aus einem vorgegebenen Ordner streamt - ohne sonstige Funktionen. Und da sich bei Seagate noch nicht einmal neue, nutzereigene Ordner zur Medienbibliothek hinzufügen lassen, ist das Streaming hier wirklich nicht optimal gelöst.

Für ein Gerät dieser Klasse nicht selbstverständlich: Drittanbitter-Apps erweitern den Einsatzbereich ungemein.
Für ein Gerät dieser Klasse nicht selbstverständlich: Drittanbitter-Apps erweitern den Einsatzbereich ungemein. (Quelle: Screenshot)

Aber Seagate macht eine Sache, die für diese NAS-Klasse nicht selbstverständlich ist: Es gibt einen minimalen "App-Store", über den Funktionen nachgerüstet werden können. Und die kleine Auswahl ist wirklich gut: ownCloud, WordPress, BitTorrent Sync, Shell in a Box und weitere nützliche Helfer erweitern den Einsatzbereich ungemein. Das Highlight: Mit Plex steht ein vollwertiges Mediacenter zur Verfügung, samt schicker Mediensammlung, optimiertem Mobile-Streaming und so weiter. Und damit dürfte die Personal Cloud tatsächlich eine echte, einfache und günstige Alternative zu ausgewachsenen NAS-Servern sein.

Und jetzt kommt ein kleines aber: Plex funktioniert nicht immer - davon zeugen zahlreiche Beschwerden von Nutzern in einschlägigen Foren. Üblich ist die Fehlermeldung, dass neue Medienquellen nicht gespeichert werden können. In Foren finden sich Vorschläge für Lösungen und Antworten, die diese wieder verwerfen. Eine konkrete Auflösung gibt es wohl nicht. Insofern bleibt euch nur eines übrig: Nach dem Kauf sofort Plex testen - und wenn es nicht funktioniert, schickt das Gerät eben wieder zurück.

Hier hat es sehr wohl funktioniert, aber erst nach einiger Bastelei: Zunächst ließen sich die Server-Einstellungen gar nicht erst aufrufen. Die Lösung: Einen anderen Plex-Server im Netzwerk abstellen - da kann also Seagate nichts für, das ist eine Plex-Unsäglichkeit. Anschließend ließen sich immer noch keine Medienquellen speichern - erst, nachdem die Sprache vom Standard Englisch auf Deutsch umgestellt wurde. Das ist alles andere als schön und auch kein Standard bei Plex-Installationen, aber letztlich funktioniert alles.

Eierlegende Wollmilchsau

Dieses Schlagwort muss einfach sein, denn Seagate hat etwas äußerst Cleveres gemacht: Sie haben IFTTT (If-This-Then-That) integriert. Mit dem Dienst lassen sich Dutzende Online-Services, Geräte (zum Beispiel Android) und soziale Medien wie Twitter oder Facebook miteinander verknüpfen, um Wenn-dann-Das-Aktionen auszuführen. So könnte man zum Beispiel eine Aktion einrichten, die bei Hardware-Fehlern oder schlicht bei neu hinzugefügten Songs eine Benachrichtigung auf das Smartphone schickt.

IFTTT-Integration können auch andere Hersteller - aber selten zu diesem Preis.
IFTTT-Integration können auch andere Hersteller - aber selten zu diesem Preis. (Quelle: Screenshot)

Es gibt eine ganze Reihe vorgefertigter Seagate-Funktionen, aber auch Trigger/Auslöser (If This) und Aktionen (then That) für eigene Rezepte, wie IFTTT-Anwendungen heißen, stehen zur Verfügung. IFTTT ist zumindest hierzulande noch eher ein Geheimtipp. Aber wenn ihr auf Automatisierung steht, viel mit sozialen Medien arbeitet oder das Smartphone der Mittelpunkt eurer "Arbeit" ist, ist die IFTTT-Integration ein echter Kaufgrund!

Kurz zur Einordnung: Western Digital vertreibt mit der My Cloud eine Private-Cloud-Lösung zum ähnlichen Preis. Plex, IFTTT und sonstige Funktionen der Seagate-Variante gibt es aber erst bei der My Cloud Home, die mit 3 Terabyte 60 Euro mehr kostet. Das bringt der Seagate-Lösung in der Endnote einen halben Extrapunkt ein.

Seagate Personal Cloud : Fazit

Private Cloud, die mehr kann, als der Name verspricht. 7.7/10

Seagates Personal Cloud setzt seine Kernfunktion hervorragend um, insbesondere, da mit ownCloud eine bessere Alternative zu den Seagate-Tools existiert. Dank Plex ist das NAS aber eben auch ein perfekter Streaming-Server, kann WordPress-Webseiten hosten und per IFTTT verschiedenste Services verknüpfen - für 140 Euro ein echter Geheimtipp.

Das hat uns gefallen

  • Formfaktor (Wohnzimmer)
  • Preis-Leistungsverhältnis
  • IFTTT
  • Plex
  • ownCloud
  • WordPress

Das hat uns nicht gefallen

  • Formfaktor (nicht NAS-üblich)
  • Performance ohne Reserven
Testnote 7,7 von 10
Bewertet von Mirco Lang
6,0 / 10
Performance
6,0 / 10
Verarbeitung und Handhabung
9,0 / 10
Sicherheit und Datenschutz
8,0 / 10
Software & Extras
Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde netzwelt leihweise von Seagate zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

9
Leserwertung

Hier könnt ihr das Produkt Seagate Personal Cloud selbst bewerten.

Die Leserwertung beträgt 9 von 10 möglichen Punkten bei 2 abgegebenen Stimmen.
Vielen Dank für deine Bewertung!

Bestenlisten

Seagate Personal Cloud wurde in folgende NAS-Bestenlisten einsortiert.

Netzwerkspeicher im Vergleich: NAS-Systeme im Test
Netzwerkspeicher im Vergleich: NAS-Systeme im Test Bestenliste Ihr seid auf der Suche nach einem empfehlenswerten NAS-System? Netzwelt hat verschiedene Systeme für euch getestet und miteinander verglichen. Das sind aus Sicht der Redaktion die besten Netzwerkspeicher für Anfänger und Profis. Zur Bestenliste

Das könnte dich auch interessieren

Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Testbericht, NAS und Seagate Personal Cloud .

zur
Startseite

zur
Startseite