Western Digital My Cloud im Test: NAS mit Online-Speicher

Private Cloud und Streaming einfach gemacht

Western Digital My Cloud

Weder Multimedia-Fähigkeiten noch ein riesiger App-Store sprechen für das Minimal-NAS My Cloud von Western Digital - sehr wohl aber die Umsetzung der Kernfunktionen. Das Private-Cloud-Konzept spricht im Test vor allem Einsteiger an und Nutzer, die wirklich nur Dateizugriff wünschen und sonst nichts. Nun, ein wenig Streaming gibt es noch obendrauf.

Inhaltsverzeichnis

  1. Hardware und Verarbeitung
  2. Performance und Oberfläche
  3. Persönliche Cloud
  4. Sicherungen und Multimedia
  5. Einordnung des Geräts
  6. Fazit

Network-Attached-Storage-Systeme (NAS) sind heute meist komplette Server und Alleskönner - Western Digitals My Cloud nicht. Die Standardmodelle laufen bei Western Digital daher auch nicht als NAS, sondern als Private Cloud. Das ist im Grunde die Urform eines NAS - eben schlichter Netzwerkspeicher, der aber auch über das Internet erreichbar ist. Ein direkter Vergleich mit den gängigen QNAP-, Asustor- oder Synology-Modellen um die 200 Euro funktioniert daher nicht und der wolkige Speicher bekommt eine etwas unabhängigere Wertung. Das 3-Terabyte-Modell für rund 140 Euro bietet im Grunde nur zwei Funktionen, Private Cloud und Streaming, ist aber gerade deshalb wirklich interessant - denn weniger Features heißt auch weniger Aufwand!

Hardware und Verarbeitung

Wie man es in dieser Preisklasse erwarten darf, verzichtet der WD-Speicher auf spannende Materialien - graues und weißes Plastik müssen genügen. Immerhin gibt es abgerundete Ecken und eine gute, stabile Verarbeitung. Vor allem aber ist das Gerät unauffällig genug, um auch im Wohnzimmer stehen zu können. Im Test ist das Gerät auch erfreulich leise. Ein parallel laufendes älteres QNAP 219+ (noch im Metallgehäuse) übertönt das My Cloud deutlich und ein aktuelles QNAP 251+ ist ebenfalls hörbar lauter. Ein Pluspunkt für den WD-Speicher, doch Vorsicht: NAS neigen dazu, im Laufe der Zeit lauter zu werden.

An Anschlüssen stehen einmal Universal Serial Bus 3.0 (USB) und einmal Gigabit Ethernet zur Verfügung, beide an der Rückseite, ordentlich verbaut und erreichbar. Zu weiteren Hardware-Details macht Western Digital erst gar keine Angaben - bei den beschränkten, vorgegebenen Möglichkeiten auch gar nicht nötig.

Performance und Oberfläche

Wie auch immer die Hardware-Innereien aussehen mögen, die Performance ist einwandfrei. Die simple Oberfläche im Browser reagiert flüssig, Einstellungen werden umgehend übernommen und auch der Startvorgang ist binnen einiger Sekunden erledigt. Die Transferraten im Netzwerk liegen bei rund 88 Megabyte pro Sekunde (MB/s) schreiben und 90 MB/s lesen. Das entspricht nahezu exakt den Werten, die auch das QNAP 251+ liefert.

Über das Dashboard gibt es alle wichtigen Informationen.
Über das Dashboard gibt es alle wichtigen Informationen. (Quelle: Screenshot MyCloud)

Die Weboberfläche ist sehr schlicht gehalten und überzeugt durch ein gutes Dashboard mit allen wichtigen Informationen auf einen Blick, etwa Netzwerkaktivität, Datenvolumen oder Diagnose-Meldungen. Sie ist auf Deutsch, klar strukturiert und enthält genügend Informationen und weiterführende Links, um auch NAS-Einsteiger durch die Einrichtung zu führen. Übrigens: Auch das initiale Setup ist denkbar einfach, es muss lediglich ein Nutzername vergeben werden - alles andere ist optional beziehungsweise bereits ordentlich vorkonfiguriert.

Persönliche Cloud

Die Hauptfunktion ist der Einsatz als persönliche Cloud, also als eine selbst betriebene Alternative zu DropBox & Co. - oder als Ergänzung, aber dazu später. Standardmäßig sind einige Freigabeordner für Videos, Bilder und Musik eingerichtet, die unter Windows sofort zur Verfügung stehen. Im Netzwerk ist es tatsächlich eine Plug&Play-Lösung.

Der Fernzugriff läuft über MyCloud.com direkt im Browser.
Der Fernzugriff läuft über MyCloud.com direkt im Browser. (Quelle: Screenshot)

Um den lokalen Netzwerkspeicher auch über das Internet zu erreichen, braucht es ein MyCloud.com-Konto. Das Setup ist simpel: Direkt über die MyCloud-Oberfläche wird aus der Cloud-Verwaltung eine Mail an einen der angelegten Nutzer geschickt, die zur Registrierungseite von MyCloud führt. Nach der Anmeldung geht es dann direkt im Browser zu einem simplen Dateimanager für Up- und Downloads. Das ganze funktioniert so einfach, weil sich das Gerät bei MyCloud.com meldet! Wer hier Sicherheitsbedenken hat, sollte eventuell nach Alternativen suchen.

Einen kompletten Zugriff auf die Einstellungen des NAS gibt es leider nicht. Alternativ ließe sich der Zugriff auf das Heimnetz und somit auch das My-Cloud-Gerät natürlich auch per DDNS-Anbieter realisieren. Zumindest lassen sich Nutzer anlegen und Freigaben und Freigabelinks hinzufügen.

Mobil läuft der Zugriff etwas anders: Über die My-Cloud-Apps meldet man sich bei MyCloud.com an und bekommt dann direkt in der App Zugriff auf die Dateien. Und in der App gibt es zwei wirklich praktische Extras: Zum einen können Bilder und Videos automatisch mit der Cloud synchronisiert werden, so dass bei Verlust des Smartphones zumindest die Bilder noch vorhanden sind! Zum anderen lassen sich weitere Wester-Digital-Speicher sowie diverse Cloud-Speicherdienste wie Dropbox, OneDrive oder Google Drive einbinden. So eignet sich die App quasi als Meta-Cloud-Speicher-Verwaltung.

Der Fernzugriff unter Android - hier lassen sich auch weitere Cloud-Dienste andocken.
Der Fernzugriff unter Android - hier lassen sich auch weitere Cloud-Dienste andocken. (Quelle: Screenshot)

Sicherungen und Multimedia

Unter dem Punkt "Sicherungen" bietet das My Cloud vier Backup-Varianten: Erstens Sicherungen auf verbundene USB-Geräte oder von diesen; auf Wunsch automatisch, sobald ein Datenträger eingestöpselt wird. Zweitens lässt sich auf ein weiteres, entferntes My-Cloud-System sichern, so dass man zum Beispiel Heim- und Büro-NAS als gegenseitige Backup-Ziele nutzen könnte. Drittens können Ordner innerhalb des My-Cloud-Netzwerks kopiert werden, also beispielsweise USB-Festplatten oder weitere Western-Digital-Datenträger. Und viertens gibt es speziell für Mac-User die Möglichkeit, Time-Machine-Sicherungen zu aktivieren. Für Backups auf das NAS wird ansonsten keine Software mitgeliefert, hier müssen sich Nutzer selbst eine der vielen (auch kostenlosen) Backup- und Synchronisierungslösungen aussuchen.

Mac-Nutzer dürfen sich über explizite Time-Machine-Unterstützung freuen.
Mac-Nutzer dürfen sich über explizite Time-Machine-Unterstützung freuen. (Quelle: Screenshot)

Bei den Multimedia-Fähigkeiten gibt es im Test erstaunlich wenig zu vermerken - es gibt einen Digital-Living-Network-Alliance- (DLNA) und einen iTunes-Server. Beide verfügen praktisch über keinerlei Konfiguration, lediglich die DLNA-Streaming-Ziele lassen sich separat deaktivieren/aktivieren. Wie zu erwarten war, wird der DLNA-Server von sonstigen DLNA-Geräten im Netz gefunden und auch das Playback klappt mit allen Testdateien problem- und ruckelfrei - selbst das Spulen in einem 15-Gigabyte-Full-HD-Video klappt ohne Murren. Das My Cloud kann an dieser Stelle wahrlich nicht viel, das aber perfekt. Dennoch der Hinweis: NAS gibt es auch mit HDMI-Anschluss, so dass sie direkt an einem Fernseher betrieben werden können. Dafür muss man zwar rund doppelt soviel investieren, allerdings entfällt auch der Client für den Fernseher (sofern dieser nicht sowieso ein Smart-TV ist).

Einordnung des Geräts

Auch wenn Western Digital bei seinen Produkten nochmal zwischen Private Cloud und NAS unterscheidet, muss sich das My Cloud demselben Wertungsschema wie alle anderen NAS auch stellen - aber es gibt ein paar Besonderheiten. Zum einen gibt es für die Performance dieselben 8 Punkte, die auch das wesentlich leistungsfähigere QNAP 251+ bekommen hat. Das WD-Gerät lässt sich jedoch nicht großartig mit Apps erweitern - und für alles, was das Gerät kann, steht genügend Leistung zur Verfügung, selbst wenn mehrere Videos gleichzeitig gestreamt werden. Ganz ähnlich sieht es bei der Software-Ausstattung aus.

Auf der anderen Seite gibt es für Hardware-Features und Multimedia-Fähigkeiten weniger Punkte - hier fehlen einfach einige Dinge, die auch günstige 100-Euro-NAS häufig bieten: Etwa Front-USB-Anschluss, Weboberfläche für Media Server, Lüftersteuerung oder austauschbare Festplatte. Aber die vielleicht wichtigste Erkenntnis: Alles, was das Gerät können soll, erledigt es zwar in einfachster Form, aber gut und zuverlässig. Wer eine simple Private Cloud haben und ab und an mal einen Clip streamen will, könnte mit dem My Cloud durchaus glücklich werden.

Western Digital My Cloud: Fazit

Western Digitals My Cloud ist eine fast fehlerlose, rudimentäre Private Cloud mit Streaming-Server 7/10

Der My-Cloud-Speicher von Western Digital überzeugt im Test mit super einfacher Bedienung und Einrichtung, was schnell über das eher schnöde Design hinweg tröstet. Das Mini-NAS stellt zuverlässig Speicher über LAN und Internet zur Verfügung, streamt flüssig HD-Videos und läuft tadellos. Wer nur die Basics will, kann zuschlagen, wer mehr Funktionen und Anpassungsmöglichkeiten sucht, sollte 50 bis 100 Euro mehr investieren.

Das hat uns gefallen

  • einfache Handhabung
  • zuverlässig
  • gute Mobile-App

Das hat uns nicht gefallen

  • wenige Funktionen
  • minimalistischer Fernzugriff
Testnote 7,0 von 10
Bewertet von Mirco Lang
5,0 / 10
Performance
8,0 / 10
Verarbeitung und Handhabung
10 / 10
Sicherheit und Datenschutz
7,0 / 10
Software & Extras
Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde netzwelt leihweise für mehrere Wochen von Western Digital zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

7
Leserwertung

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Bestenlisten

Western Digital My Cloud wurde in folgende NAS-Bestenlisten einsortiert.

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  1. Gastkommentar · 

    Ich rate vom Produkt ab. MyCloud funktioniert bei mir einfach nicht. Das Programm hört nach ein paar Wochen einfach auf, zu synchronisieren und sagt mir nicht einmal Bescheid. Außerdem zeigt er viel zu oft einen Netzwerkfehler an, dessen Ursache ungeklärt ist. Ich kann nicht garantieren, dass ich nicht vielleicht doch selbst etwas falsch eingestellt habe, aber ich habe schon sehr viel Zeit darin investiert und dann kann von einfacher Bedienung definitiv nicht die Rede sein. Es gibt sicher effektivere Wege, seine Daten zu sichern.

  2. Gastkommentar · 

    Mich würde echt interessieren, wie ihr testet (vor allem Performance der Weboberfläche; siehe unten). Ich habe kürzlich ebenjene Mycloud nach ein paar Wochen Nutzung durch ein NAS von Synology ersetzt (DS218+). Von der MyCloud kann ich nur abraten! Ich schlage vor, ihr macht mal folgenden Test:<ol><li>Daten im Umfang von ca. 370 GB auf die Platte kopieren</li><li>USB-Platte anschließen</li><li>Backup starten</li></ol>Bei mir hatte das zur Folge, dass die Weboberfläche nicht mehr erreichbar war. Die Seite brauchte so lange zum Aufbauen, dass ich per Timeout wieder abgemeldet wurde. Nach ca. 1 Stunde ging es wieder. Beim Backup stand sinngemäß "Backup fehlgeschlagen" (ohne weitere Begründung). Auch sonst ist die Weboberfläche kaum bedienbar, wenn das NAS irgendwas zu tun hat. Wartezeiten von 30 Sekunden sind keine Seltenheit. Das NAS war übrigens über GBit-LAN angebunden. Das Synology NAS, das ich jetzt habe, hat diese Probleme in keinster Weise. Mir ist klar, dass man DS218+ nicht mit der MyCloud vergleichen kann, aber auch bei geringem Funktionsumfang sollte zumindest das Webinterface jederzeit bedienbar sein. Dass man die Kiste nicht runterfahren kann, ist mMn auch nicht zu tolerien. Man kann nur "blind" den Stromanschluss ziehen und hoffen, dass alles gut geht.

  3. Gastkommentar · 

    Danke für den interessanten Bericht. Was mir allerdings gefehlt hat : Das Kernstück eines solchen Servers ist doch eigentlich die Festplatte, oder ? Leider war in Ihrem Bericht nichts über die Qualität dieses Bauteils enthalten, wo man speziell bei WD doch eigentlich sehr verwöhnt ist... Vielleicht kann man den Bericht ja noch um diese Information erweitern ! Vielen Dank

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